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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

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B  üdinger.

Cyrus’  Eilmarsch  vom  Schlachtfelde  von  Pteria  gegen  Sardes
(I,  79)  keine  Stelle  fanden,  also  eine  ganz  abweichende  Relation ­
  über  das  Ende  des  Lyderreiches  vorlag.
Ein  vollerhaltener  Zeuge  persischer  Ueberlieferungen  über
den  lydischen  Krieg  ist  aber  Xenophon  in  der  Kyropädie.  Ich
habe  in  einem  Anhänge  einige  Quellen  derselben  darzulegen
gesucht  und  kann  mich  hier  auf  einige  allgemeine  Bemerkungen
beschränken. 1
Der  Zeitunterschied  von  fünf  oder  sechs  Jahrzehnten
zwischen  Herodot’s  und  Xenophon’s  Erkundigungen  kommt  bei
Begebenheiten,  die  für  Beide  in  so  weiter  Zeitferne  lagen,
nicht  in  Betracht.  Auf  alle  Fälle  war  aber  Xenophon  an  des
jüngeren  Cyrus’  Hofe  in  Sardes  und  auf  dem  Marsche  von
dort  bis  Kunaxa  hinlänglich  und  weit  mehr  als  Herodot  in  der
Lage,  von  hochstehenden  Persern  über  die  vorderasiatischen
Erobei'ungen  des  Reichsgründers  im  Ganzen  begründete  Nachrichten ­
  zu  erhalten.  2  Durchzogen  doch  die  Truppen  des  jüngeren
Cyrus  von  Sardes  aus  eben  Gebiete,  welche  einst  zu  Lydien
und  Babylonien  gehört  hatten!  Nicht  als  ob  ich  die  Einzelschilderungen ­
  Xenophon’s  oder  besser  seiner  Berichterstatter
für  authentisch  hielte,  oder  als  ob  ich  unterschätzen  möchte,
was  er  um  seiner  philosophischen  Zwecke  willen  einzuflechten
nöthig  erachtete.  Auch  Herodot  folgt  für  Cyrus’  Emporkommen ­
  und  die  Begründung  der  Perserherrschaft  über  Asien
—  mit  Ausnahme  der  Eroberung  Lydiens,  die  er  von  dieser
Quellenströmung  ausnimmt  —  von  vier  ihm  vorliegenden
Relationen  derjenigen,  welche  ,ihm  nicht  zu  übertreiben,

1  Sauppe  in  der  Einleitung  zu  seiner  Edition  in  der  Tauchnitz’schen  Sammlung ­
  (1865)  gibt  mit  präciser  Beweisführung,  der  ich  nur  durchaus  beipfliehten
  kann,  S.  XXIV—XXVI  eine  Uebersiclit  der  Controversen  über
Absicht  und  Glaubwürdigkeit  der  Kyropädie,  welche  Breitenbach  (3.  Aufl.,
Teubner  1875)  p.  XIII—XXIII  von  denselben  Gesichtspunkten  aus  im
Einzelnen  polemisch  ausfühlt.  Die  Gerechtigkeit  aber  erfordert  doch  zu
sagen,  dass  der  auch  von  Sauppe  gelobte  Jacob  Klerk  ,de  vita  Croesi
(Lugd.  Bat.  1825),  wenn  er  auch  p.  39  ff.  die  Brandscene  irrig  streicht
und  überhaupt  im  Einzelnen  durchaus  veraltet  ist,  doch  im  Ganzen  die
richtigen  Gesichtspunkte  über  das  Verhältniss  Xenophon’s  und  Herodot’s
zu  ihren  Berichten  gefunden  hat.  Auf  die  Controversen  selbst  näher  einzugehen, ­
  finde  ich  übrigens  für  den  gegebenen  Zweck  nutzlos.
2  Bergk  in  Ersch  und  Gruber’s  Encycl.  LXXXI,  392.
            
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