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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 92. Band, (Jahrgang 1878)

202  Büdinger.
Herodot  (I,  153,  176)  nicht  nur  wie  alle  Anderen  die  Einnahme
Babylons  vom  Jahre  538  1  nach  dem  lydischen  Kriege  an,
sondern  die  Belagerung  dieser  Stadt  dauert  bei  ihm  in  ein
zweites  Jahr  (xo  Ssüxspov  sap,  I,  190),  ja  vor  dem  Beginne  derselben ­
  erfolgt  nach  seiner  Hauptrelation  die  Unterwerfung  des
ganzen  Ostens:  e~et  xs  xa  Txävxa  xrjs  -faelpou  bmy^dpux  hzovffcao
ÄowjpiWi  ItxexIösxo  Kupo?  (I,  178).  Anderseits  sollen  aber  Peisistratos’
  Eroberungen  vor  Krösus’  Gesandtschaft  stattgefunden
haben.  Man  sieht  leicht,  dass  diese  Behauptungen  unmöglich
neben  einander  bestehen  können.
Auch  von  der  Gleichzeitigkeit  mit  Peisistratos’  dritter
Tyrannis  bei  Herodot  müssen  wir  daher  für  unsern  chronologischen ­
  Zweck  absehen.  Koch  bleiben  vier  andere  Zeitangaben
unseres  Geschichtschreibers  zu  erwägen.
Die  eine  hängt  mit  der  Kettensendung  nach  Delphi  zusammen. ­
  Der  Gott  erwiedert  auf  Krösus’  Vorwürfe  xvegen  seiner
Täuschung  durch  das  Orakel,  drei  Jahre  habe  er,  da  die  Moren
keine  längere  Frist  zugestehen  wollten,  die  Einnahme  von
Sardes  verzögert:  xpG  exsa  eixaveßaXexo  xr;v  SapSluv  aXwciv  (I,  91).
Es  ist  möglich, 2  dass  hiermit  die  Zeit  seit  dem  Anlangen  von
Krösus’■  Weihegeschenken  in  Delphi  bezeichnet  wird,  wenn
des  Gottes  Gnade  ihm  auch  ohne  die  Gaben  die  Frist  verschafft ­
  haben  könnte,  die  mindestens  Herodot  keineswegs
(s.  unten  S.  205)  mit  den  Gaben  in  directen  Zusammenhang
Krösus’  Sturz,  wie  ich  zu  erweisen  glaube,  in  das  Jahr  541/0,  so  gewinnt
Herodot’s  Darstellung  von  Krösus’  Botschaft  nach  Athen  hohen  Werth,
und  wird  die  dritte  Tyrannis,  wie  ich  im  Texte  angenommen  habe,  in
der  That  543  oder  542  begonnen  haben.  Dann  blieben  wahrscheinlich
nur  ein  paar  Monate  für  die  zweite  von  554  oder  553  und  etwas  über
ein  Jahr  für  die  erste  von  561.  Doch  bemerkt  Clinton  II,  203  mit  Recht:
these  computations  are  only  probabilities  and  must  not  be  eonsidered  as
equivalent  to  dates,  that  are  supported  by  testimony.
1  Das  Jahr  209  der  nabonassariscben  Aera  als  Schlussjahr  Nabunahids  in
dem  astronomischen  Kanon  entspricht  dem  Jahre  539  —  was  auch
Sehrader  KAT.  332  übersieht,  der  538  gibt,  wie  überall  in  der  Umrechnung ­
  ein  Jahr  später.  Die  Einnahme  erfolgt  eben  im  Jahre  210  der
nabonassarisehen  Aera  =  5.  Januar  538  —  5.  Januar  537,  da  der  Kanon
jede  neue  Regierung  vom  1.  Toth  berechnet.  Ideler,  Ueber  die  astronomischen ­
  Beobachtungen  der  Alten  (1806)  S.  29—33,  Handbuch  der
Chronologie  I,  111  ff.
2  Duncker  IV.  323.
            
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