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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Einwanderung  der  Baiern.

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Zeuss,  die  Schwierigkeit,  diesen  Ausdruck  zu  erklären,
betonend,  deutet  auf  man,  Meer  hin,  und  auf  mor,  muor  =
Moor,  Sumpf-,  Gebirgsland. 1  Diese  Deutung  des  Namens,  bei  der
schon  die  Stammvocale  verschieden  (mor,  ahd.  muor  zu  meri,
goth.  marei)  weist  K.  Miillenhoff  zurück,  und  schlägt  ags.
myre  =  älterem  mauri  (Förstemann,  Namenbuch  I.  924  ff.)
vor,  oder  noch  lieber  eine  goth.  Form  Maurjo,  was  angels.
Myrge  und  für  die  Bewohner  Myrgingas  ergäbe. 2
Dass  das  Maurungani  des  Geographen  identisch  sei  mit
dem  Mauringalande,  das  die  Langobarden  auf  ihrer  Wanderung
treffen,  ist  klar. 3  Möllenhoff  hat  ebenso  den  Nachweis  geführt,
dass  das  ,Myrgingas'  des  Sängers  Vidsith 4  dasselbe  bedeute:
,das  von  der  Elbe  durchströmte  und  östlich  anliegende  Land
von  der  Donau  bis  zur  Ostsee'.  Maurungi,  Mauringi,  Myrgingas
hält  Miillenhoff  unbedenklich  auch  für  sprachlich  identisch. 5
Es  sei  gestattet,  eine  andere  Namenserklärung  vorzuschlagen. ­

Auch  die  bairische  Stammsage  bringt,  und  zwar  für  die
Urheimat  des  bairischen  Volkes  den  Namen  eines  Landes,  den
man  zwar  sehr  wohl  zu  deuten,  aber  keineswegs  genauer  zu
localisiren  vermochte:  Armenien  oder  Hermenien.  Dass  dies
eben  nichts  weiteres  sei  als  Hermionenland,  dass  die  Baiern
somit  als  Söhne  des  Ear,  dessen  Eponymus  Irmin,  galten,  ist
längst  erwiesen.  Wird  man  nicht  einen  ähnlichen,  ja  denselben
mythologischen  Kern,  Ear,  Irmin,  in  den  verdorbenen  Namensformen ­
  Myrgingas,  Mauringa,  Maurungani  suchen  dürfen  und
müssen?  Die  sprachliche  Erklärung  fällt  freilich  schwer  und
unmöglich.  Leiten  auch  das  Mauringa  des  Paulus  und  Mauringani
  des  Geographen-  auf  dieselbe  Quelle  (langob.)  zurück,
so  steht  doch  Myrgingas  völlig  imabhängig  da;  es  fällt  darum
ins  Gewicht,  dass  beide  Formen  das  anlautende  m  besitzen,

1  Zeuss,  Die  Herkunft  der  Baiern,  S.  31.  Schon  Zeuss  verweist  auf  das
Wandererlied.
2  K.  Miillenhoff,  Zur  Kritik  des  angelsächsischen  Volksepos;  bei  Haupt
XI.  S.  279—280.  ■
3  Paul.  Diac.,  Histor.  Langob.  lib.  I.  cap.  11,  13,
4  Ebendort  und  S.  275  ff.
5  Ebendort  S.  279.
            
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