Die Einwanderung der Baiern.
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gothischen Völker vereinzelt finden mussten, sie selbst aber
seit Jahrhunderten in steten Beziehungen zu einander standen,
so fehlt für die obige Vermuthung doch der directe Beweis.
Wohl aber lassen sich in directe Belege von hinlänglichem Gewichte
beibringen. Den einen Beweis könnte man schon darin
sehen, dass, während die Historia Miscella unter den nach
Frankreich ziehenden Heei'haufen Attila’s auch Markomannen
zu nennen weiss, 1 Sidonius Apollinaris in seinem ziemlich gleichzeitigen
Lobliede auf den Kaiser Avitus neben zahlreichen
andern Völkern, nur Thüringer aus diesem Striche kennt:
Barbaries totas in te transfoderat arctos
Gallia; pugnacem Rugura comitante Gelono,
Gepida trux sequitur, Scerum Burgundio cogit,
Churras, Bellonotus, Neurus, Basterna, Toringus,
Bructerus, ulvosa quem vel Nicer alluit unda,
■ Prorumpit Francus. 2
Auch abgesehen von jener Nachricht der Historia Miscella
die man als spät und wenig verlässlich bezeichnet, steht fest,
dass mit all’ den benachbarten Völkern sicher auch markomannische
Krieger an dem Zuge Attila’s theilgenommen haben.
Wenn sie Sidonius Apollinaris trotzdem nicht aufzählt, so bleibt
nichts übrig, als den Thüringernamen auch zugleich für sie
gelten zu lassen.
Sicher bezeugt ist weiter die Ausdehnung des Volkes der
Thüringer weit über ihre früheren Sitze hinaus nach dem Südosten.
Von dem Gothen Athanarit, also aus verlässlicher Quelle,
hat der Geograph von Ravenna erfahren, dass sich die Thüringer
über ein stromreiches Land nach dem Süden bis zur
Donau ausgebreitet: Per quam [Turingorum patriam] transeunt
plurima flumina, inter cetera, quae dicuntur Bac et Reganum,
quae in Danubio merguntur. 3 Um so leichter vermögen sie
dann gleich ihren suevischen Nachbarn am rechten Donauufer
zur Geissei der römischen Bevölkerung IJfernoricums zu werden,
1 Historia Miscella 1. c.
2 Sidonii Apollinaris Carm. VII. v. 320—325.
3 Ravennatis anonym. Cosmographia edd. M. Pinder et G. Parthey, Berolini
1860, IV. 25.
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