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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Einwanderung  der  Baiern.

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an  dem  die  Bewegungen  der  Barbarenvölker  sorgfältig  überwachenden ­
  Hofe  zu  Byzanz  die  sichersten  Nachrichten  einholen ­
  konnte.  Prokop  kennt  aber  neben  den  nördlichen  sitzenden
Völkern  des  thüringischen  Bundes,  den  südlicheren  Burgunden
in  diesem  Striche  nur  Alemannen  und  Sueben. 1  Nirgends  meldet
er  die  Ankunft  eines  neuen  grossen  Volkes  im  rhätischen  Grenzlande, ­
  nennt  er  den  Namen  ,Baier‘;  sie  sind  demnach  auch
vor  553  nicht  in  ihren  neuen  Sitzen  vorhanden.
Der  mit  Procop  gleichzeitige  Jordanis  weiss  nun  endlich
den  Namen  der  Baiern  zu  nennen.  (Danubium  gelatum)  Theodemir,
  Gothorum  rex,  cernens,  pedestrem  ducit  exercitum,
emensoque  Danubio  Suavis  improvisus  a  tergo  apparuit.  Nam
regio  illa  Suavorum  ab  Oriente  Baioarios  habet  (anno  551
n.  Chr.),  ab  occidente  Francos,  a  meridie  Burgundiones,  a
septentrione  Thuringos. 2  Sitzen  aber  die  Baiern  auch  bereits
im  oberen  Donaulande?  Keineswegs.  Auch  Jordanis,  der  doch
beschreibt,  in  welchen  Gebieten  die  deutschen  Völker  nach  der
Hunnenzeit  sesshaft  wurden,  weiss  nichts  von  einer  Einwanderung ­
  des  ,Baioarii'  genannten  Volkes  in  das  Gebiet  am
Nordfusse  der  Alpen,  die  ihm  doch  ebenso  wenig  als  Procop
verborgen  bleiben  konnte.  Gerade  an  dieser  Stelle  hätte  er
nicht  verschweigen  können,  dass  jetzt  in  diesem  Gebiete,  in
dem  damals  Theodemir  die  ,Suavi‘  bekämpfte,  die  Baiern
wohnen.
Ein  Blick  auf  die  Karte  zeigt,  dass  die  Thüringer  nur
dann  als  im  Norden  der  Alemanni-Suavi  sitzend  genannt  werden
können,  wenn  diese  über  das  Hochland  im  Osten  des  Lech
verbreitet  gedacht  werden;  im  Norden  des  eigentlichen  Alemannengebietes ­
  bis  zum  Lech  sassen  nur  Franken.  Die  Baioarii
wohnen  aber  von  der  Donaulinie  von  Regensburg  bis  Linz  angefangen ­
  im  Regengebiet  und  in  Böhmen  und  heissen  mit  demselben ­
  Rechte  die  Ostnachbarn  der  ,Suavi‘,  wie  die  Burgunder
als  deren  Anwohner  im  Süden  aufgeführt  werden.
1  Procopius,  De  bello  Gotliico  I.  12:  Metoc  8e  aurou;  (*I>payyou;)  £<;  ta  7rpo<;
avia/ovra  7jXiov  Öopiyyoi  ßapßapoi,  oo'vto;  Auyouaxou  7üpwTou  ßaaiXbax;,  lopuaavxo.
  xai  auiiov  Boupyou^(tove?  ou  tcoXXoj  oct:oOev  7Cpo<;  vo'tov  avspov  TSTpap.-psvoi
  ipxouv,  üouaßot  te  urap  0op(yytov  xai  AXap.avoi,  ta^ojpa  sövrj.  outoi  autovopoi
  anavte?  Traurr)  to  avbxaOsv  ISpuvTo.
2  Jordanis,  cap.  55.
Sitzungsber.  d.  pbil.-bist.  CI.  XCI.  Bd.  II.  Hft.

56
            
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