Die Einwanderung der Baiern.
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IV.
Die Einwanderung der Baiern und Czechen.
a) Vindelicien bis zur Ankunft der Baiern.
Es war nur natürlich, dass die Alemannen mit ihren Streifzügen
und Ansiedlungsversuchen ebenso die südöstlichen, jenseits
der Iller und des Lech gelegenen Römerlande, wie die Landschaften
am Oberrhein und des benachbarten Gallien heimsuchten.
Zeuge ist Flavius Vopiscus schon für des gewaltigen
Aurelianus Tage: His gestis [Aurelianus] ad Gallias profectus
Vindelicos obsidione barbarica liberauit. 1 Und an anderer
Stelle lässt er den greisen Tacitus, den ,Senator primae sententiae‘,
von des Imperators Verdiensten sagen: Ille nobis Gallias
dedit, ille Italiam liberavit, ille Vindelicis jugum barbaricae
seruitutis amouit. 2 Die hiebei gebrauchten Ausdrücke könnten
bereits als Beweise dafür angeführt werden, dass es sich schon
damals im Wesentlichen um die bleibende Besitzergreifung des
romanisirten Hochlandes der Vindeliker handelte. Diese Versuche
waren ebenso erfolglos, wie die häufigen Streifzüge alemannischer
Haufen zur Zeit des Constäntius Chlorus, die mit wiederholten
Angriffen der Quaden und Sarmaten auf das mittlere
Donauland zusammentrafen. 3 Sie führten zwar wirklich zur
momentanen Besetzung von Rhätien, 4 doch vermochten die
Alemannen das Gewonnene noch nicht festzuhalten. Aber bis
an den Bodensee war die Ausbreitung der Alemannen schon
mit dem beginnenden vierten Jahrhunderte vollzogen und wenn
auch die Hauptrichtung ihrer Vorwärtsbewegung nach dem
Westen und Südwesten zielte, wenn auch das scharfe Schwert
Julian’s nochmals die Ueberlegenheit der Römer erwies, schon
1 Flavius Vopiscus, Aurelianus, cap. 35 (in den Seriptor. Histor. Aug. II.)
p. 161.
2 Ebendort cap. 41, pag. 165.
3 Ammianus Marcellinus XVI. 10. 20.: Imperator [Constäntius] assiduis
nuntiis terrebatur et certis indicantibus Suebos Raetias incursare, Quadosque
Valeriam et Sarmatas.
4 Eumenius, Panegyricus Constantio Caesari recepta Brittania dictus c. 10
. . . tota Aegyptus, Syriaeque defecerant; amissa Rhaetia, Noricum Pannoniaeque
vastatae.