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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Einwanderung  der  Raiern.

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gantes  unterscheidet,  freilich  nicht  ohne  zu  erzählen,  was  es
damit  für  ein  Bewandtniss. 1  Bis  zur  Annahme  gesonderter
Quadenreiche  oder  besser  mehrerer  getrennter  Völker  wäre
deswegen  noch  sehr  weit.  Aber  da  auch  diese  ,Transjugitani !
weder  früher  noch  später  wieder  sichtbar  werden,  Ammianus
diesen  einmal  gebrachten  Ausdruck  völlig  unerklärt  lässt,  so
hat  man  hier  am  einfachsten  an  Kriegshaufen  zu  denken,  die
aus  den  Oder-  und  Weichselebenen  über  das  Gebirge  den  Quaden
vor  und  während  des  Krieges  zugezogen  sind.  Uebrigens  steht
nicht  einmal  fest,  ob  auch  wirklich  handschriftlich  ,Transjugitank
  zu  lesen  ist,  ob  man  nicht  an  flüchtige  Provinzialen,  transfugitani,
  denken  müsse.  Wenigstens  bietet  die  handschriftliche
Ueberlieferung  auch  diese  Lesart.  Resultat  des  bisher  Gesagten
ist:  Es  lässt  sich  ebenso  wenig  für  die  späteren  Jahrhunderte
der  Kaiserzeit  wie  für  die  frühere  Periode  ein  besonderes  ,vannianisches'
  Reich  und  ein  neues  Suebenvolk  an  der  Donau
nachweisen.
Um  so  mehr  darf  ich  mich  kurz  fassen.
Herr  Quitzmann  citirt  die  Worte  Ammian’s,  immensum
quantum  antehac  bellatrix  atque  potens‘, 2  um  daraus  die  Stärke
und  mächtige  Zahl  seiner  ,Vannianeik  zu  erweisen,  die  Ptolomäus
  ja  schon  zwei  Jahrhunderte  früher  als  grossesjVolk  kennt.
—  Abgesehen  davon  aber,  dass  hier  eben  wieder  nur  von  den
Quaden  die  Rede  ist,  sagt  Ammian  an  dieser  Stelle  das  gerade
Gegentheil  dessen,  was  Herr  Quitzmann  herausliest,  da  es  alsbald
weiter  heisst:  parum  nunc  (375  n.  Chr.)  formidanda.  Für
letzteres  sind  die  schweren  Verluste  des  Krieges  Erklärung
genug  und  erscheint  als  weiterer  Gewährsmann  auch  Jordanis,
indem  er  erzählt,  dass  die  Quadengaue  gleich  den  umwohnenden ­
  Suebenstämmen  in  gothische  Knechtschaft  gerathen  seien. 3
Aber  obwohl  Ammian  sagt,  das  Volk  der  Quaden  —  ,Vannianen‘
nach  Quitzmann  —  sei  wenig  zu  fürchten  wegen  seiner  Schwäche,

1  Ammianus  Marcellinus  XVII.  12,  13.  XIX.  11.  XXIX.  6.
2  Aelteste  Geschichte  der  Baiwaren,  S.  51.  Ammianus  Marcellinus  XXIX.
6,  1.
3  Jordanis  cap.  16.  Nam  gens  ista  (Gothorum)  mirum  in  modum  in  ea  parte
qua  versabatur,  id  est  Ponti  in  litore  Scythiae  soli,  enituit  etc.;  stetit
sub  pretio  Marcomannus,  Quadorum  principes  in  servitutem  redacti  sunt.
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