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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

S50  Bachmunn.
Quaden  nennt,  die  sogenannten  Quaden  oi  x.aXoup,evot  E.,  die
von  nun  an  natürlich  einfach  (ohne  oi  y.aAoü|j.svc.)  neben  den
anderen  Völkern  genannt  erscheinen  (gleich  LXXI.  8,  2).  So  weit
diese  Stelle.
Einigermassen  in  Verlegenheit  geräth  Herr  Quitzmann
dadurch,  dass,  während  die  von  ihm  auf  die  ,vannianische'
Ansiedlung  bezogenen  Stellen  des  ersten  Jahrhunderts  stets
von  ,Suebi'  sprechen,  Cassius  Dio,  Marc  Aurel  u.  s.  w.  eben
stets  nur  von  Quaden  reden.  Aber  er  hilft  sich:  Im  zweiten
Jahrhunderte  heissen  jene  ,vannianischen'  Gefolgschaften  eben
auf  einmal  Quaden.  Auch  bleibt  ihm  ja  ein  Erkennungsmittel:
die  Nachbarschaft  der  Jazygen!  Wie  gewichtig  dies  Argument,
braucht  kaum  hervorgehoben  zu  werden!  Dass  nach  Plinius  u.  s.  w.
die  Jazygen  Nachbarn  der  Quaden  sind,  und  zwar  der  Quaden
selbst,  die  sich  zu  dem  nach  Osten  ausbreiten,  glaubt  eben
Herr  Quitzmann  nicht,  dass  neben  Jazygen  eben  so  oft  und
allein  Markomannen  genannt  sind,  übersieht  er,  oder  es  ist
ihm  bedeutungslos:  nur  wenn  Quaden  daneben  stehen,  ist  dies
wichtig:  dann  sind  es  die  ,Vannianischen'!  Das  heisst  doch
einmal  klare,  gewichtige  Belege  nicht  berücksichtigen  und
andernorts  mit  feinstem  Ohre  das  Gras  wachsen  hören.  Wozu
brauchen  wir  bei  solcher  Art  der  Forschung  die  Quellen?
Nach  den  wenigen  Worten,  die  Tacitus  über  die  Gefolgschaften ­
  verliert,  gibt  es  vor  Ptolomäus  keine  Nachricht,  die
auch  nur  mit  entfernter  Berechtigung  als  Beleg  für  das  Entstehen ­
  und  die  Existenz  eines  neuen  Volkes  angezogen  werden
darf.  Dafür  sagt  Ptolomäus:  Ttco  os  xbv  ’Opy.üviov  opup,bv  Koudoot,
ÜP  cu?  xd  ciOY)piopuy v Eia  y.ai  y)  Aouva  uXvj,  üep’  rjv  [AEya  sOvo?  oi  Baqu.ot
p.eypi  xou  Aavoußiou  xal  cuveyet?  ofuxol?  Tcspl  xou  7toxap.ov  oi  Tepay.axptat
y.ai  oi  Tipb?  xol?  Kdp.Ticac  Pay.axai.  1
Von  dieser  präcisen  Angabe  des  Geographen  hat  sich
auch  der  treffliche  Zeuss  bestechen  lassen.  In  seiner  Finderfreude ­
  erkennt  er  in  den  ,Baimen'  die  Nachkommen  der  Gefolgschaften ­
  und  weiss  ihren  Namen  nach  dem  alten  Vaterlande
oder  als  Heergefährten  zu  erklären.  Noch  nachdrücklicher  sucht
Quitzmann  die  Nachricht  des  Alexandriners  und  die  Zeuss’sche
Combination  zu  verwerthen.  Mit  Unrecht.  Es  erscheint  viel-1

  C.  Ptolomäus,  Geog.  I.  lib.  II.  c.  11.  §.  26.
            
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