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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Einwanderung  der  Baiern.

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gleichkommt. 1  Hier  schlägt  Herrn  Quitzmann  die  eigene  Annahme: ­
  Wie  konnten  die  Römer  die  neue  Colonie,  auch  wenn
sie  zwei  und  dreimal  so  stark  war.  auf  ein  Gebiet  vertheilen,
zu  dessen  Besiedlung  und  Yertheidigung  die  hundertfache  kaum
ausreichte  und  das  heute  die  dreihundertfache  ernährt?  Freilich,
Herr  Quitzmann  hilft  sich.  Er  lässt  auch  den  Vannius  mit  einem
Gefolge  erscheinen,  er  ruft  auch  Ansiedler  herbei:  nur  Schade,
dass  weder  eine  Quelle  noch  eine  verlässliche  Combination  dergleichen ­
  gestattet.
Vannius  besetzt  aber  nicht  blos  mit  seinen  zehntausend
Menschen  das  grosse  Land,  er  beginnt  sofort  auch  Beutezüge,
er  erweitert  sein  Gebiet  über  die  benachbarten  Stämme,  denen
er  Tribut  auferlegt,  er  wird  den  Römern  und  den  Thüringern  (!)
gefährlich:  all  das  an  der  Spitze  von  zweitausend  Mann ! .  Gewiss
eine  erlesene  Heldenschaar!  Doch  genug.  —  Zunächst  lässt  sich
erweisen,  dass  Vannius  nicht  blos  König  der  beiden  angesiedelten ­
  Gefolgschaften  gewesen,  sondern  auch  Suebenkönig.
Des  Tacitus  Worte  ,dato  rege  Vannio  gentes  Quadorum'  sind
freilich  nicht  deutlich,  wenn  sie  auch  von  Forschern  einfach
dafür  genommen  wurden:  ,indem  der  Quadenkönig  Vannius
auch  über  sie  die  Herrschaft  erlangte. 2  Der  Wortlaut,  ,indem
der  Quade  Vannius  als  König  über  sie  gesetzt  wurde',  steht
dieser  Auslegung  wenigstens  nicht  entgegen.  Aber  an  anderer
Stelle  sagt  Tacitus:  Vannius  Suebis  a  Druso  Caesare  inpositus
  pellitur  regno, 3  was  in  ähnlich  conciser  Redeweise,
aber  sicher  heisst:  Vannius  von  Drusus.  Caesar  ,zum  Könige'
über  die  Sueben  bestellt,  wird  aus  seinem  Reiche  vertrieben.
Bekannt  ist,  wie  genau  Tacitus  im  Gegensätze  zu  den
Späteren,  die  Sueben  als  Völkerfamilie  von  den  einzelnen  Gliedern
derselben,  Semnonen,  Langobarden,  Hermunduren,  Marko-1

  Ebendort:  Barbari  utrumque  eomitati  ne  qnietas  provincias  immixti  turbarent,
  Danuvium  ultra  inter  flumina  Marum  et  Cusum  locantur,  dato
rege  Vannio  gentes  Quadorum.
2  So  Mathias  Koch,  Aelteste  Bevölkerung  Oesterreichs  und  Bayerns,  S.  88.
Vergl.  Beda  Dudik,  Mährens  allgemeine  Geschichte  I.,  S.  31,  .Vannius
von  Tüders  Geschlecht 1  mit  Tacitus,  Germ.  42  .  .  Quadis  usque  ad  nostram
memoriam  reges  manserunt  ex  gente  ipsorum,  —  Tudri  genus.
3  Tacitus,  Annales  XII.  cap.  29.
            
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