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Bacliman n.
II.
Die älteren Hypothesen über die Abkunft der Baiern.
Es hat sich kaum je über eine historische Streitfrage so
viel Streit unter Berufenen und Unberufenen eutsponnen, als
wie darüber, wann und woher die Baiern in ihre späteren Sitze
gekommen. Der Mittel und Wege, eine genügende Lösung zu
gewinnen, sind nicht minder viele versucht oder doch in Vorschlag
gebracht worden: mit alleiniger Ausnahme der Thüringer
etwa sind ziemlich alle Nachbarvölker der Baiern aus der früheren
und späteren Zeit herbeigeholt worden, um für sich allein
oder im Vereine mit andern die Ehre zugetheilt zu erhalten,
Stammväter der Baiern zu sein. Nur auf jene Hypothesen, die
historisch doch noch ernst zu nehmen sind, soll hier kurz hingedeutet
werden.
Dazu gehört nun vor Allem nicht die Fabel von der Abstammung
der Baiern von den keltischen Bojen, die schon
Veit Arnpekli 1 oder nach dem völlig glaubwürdigen Zeugnisse
des Formbacher Abtes Angelus Rumpler 2 der gelehrte und
geistvolle Enea Silvio (Pius II. 1458—1464) erfand, worauf
sie Aventin im sechszehnten Jahrhunderte willkührlich ausschmückte
und zu einer hübschen Erzählung erweiterte. In
unverkennbarem Zusammenhänge mit den politischen Verhältnissen
Süddeutschlands und in Folge des Anschlusses an das
erste Kaiserreich der Franzosen fand dann zu Beginn und in
der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts die Bojerhypothese
energische Verfechter in v. Pallhausen, Büchner, F. Mayer,
Obermayer, endlich Carl Siegert 3 u. A., während M. Koch,
ohne den germanischen Ursprung der heutigen Baiern zu
1 V. Arnpekhü Clironicon Baioariae ap. B. Pez, Thesaurus anecdotorura
novissimus, 6 Vol. Augustae Vindel. 1721—1729 sq., III. 3. p. 23.
2 Quitzmann, Aelt. Gesell, der Baiwaren, S. 9.
3 C. Siegert, Grundlagen zur ältesten Geschichte des bairischen Hauptvolksstammes
und seiner Fürsten, München 1854. Auf die übrigen
Arbeiten verweist Zeuss a. a. 0., Die Herkunft der Baiern von den
Markomannen, München 1839, S. X fl'., 32 ff. Vergl. auch Quitzmann,
Abstammung, Ursitz und älteste Geschichte der Baiwaren, München 1857,
S. 13 ff.; Aelt. Gesch. d. B. S. 8 ff.