Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Einwanderung  der  Baiern.

825

zeitigen  Jornandis  ausdrücklichem  Zeugnisse  sich  den  Gepiden
zunächst  über  das  grosse  Tiefland  im  Osten  und  Norden  der
Karpathen,  im  Westen  aber  nur  bis  zur  Weichsel  ausbreiten.
Ein  Blick  auf  die  Karte  zeigt:  Der  Weg  der  Heruler  von  den
Gepiden  zu  den  Slaven  führte  kurz  und  direct  durch  das
Popradthal  im  Osten,  oder  den  Jablunkapass  im  Westen  des
Tatra,  aus  dem  Theissgebiete  ins  Weichselland  hinüber.  Von
da  nach  Nordwesten  weiter  ziehend  gelangten  die  Wanderer
in  die  verlassenen  Suebensitze  an  der  mittleren  Oder,  berührten, ­
  sich  zur  Elbe  wendend,  die  östlichen  Sachsen  und
erreichten,  dem  Strome  folgend,  die  Grenze  des  Dänengebietes,
von  wo  sie  eine  kurze  Seefahrt  zur  Insel  Thule  führte,  wo
sie  blieben. 1
Von  einem  Zuge  der  Heruler  durch  Böhmen  zu  reden,
ist  also  reine  Willkühr.  Man  sieht  auch  durchaus  nicht  ein,
warum  sie  durch  das  weit  im  Westen  gelegene  Bergland  hätten
ziehen  sollen  und  nicht  an  den  natürlichen  Wanderstrassen  der
Völker,  den  Flussthälern  im  Osten  von  Böhmen  hinauf  und
hinab;  dann  hätten  sie  den  Zug  durch  Böhmen  angenommen,
auch  nicht  viele  Slaven  Völker  treffen  können,  sondern  nur
eines,  die  Czechen;  nicht  in  die  Einöden  an  der  Oder,  sondern
zu  den  Thüringern  hätte  sic  der  weitere  Weg  führen  müssen.
Etwa  zu  glauben,  dass  sie  von  Böhmen  gegen  die  Oder  zurück
nach  Nordost  und  von  da  zu  den  Sachsen  nach  Nordwest  gezogen, ­
  hiesse  eben  jede  besonnene  Forschung  aufgeben.
Resultat  des  bisher  Gesagten  ist,  dass  man  die  Markomannen ­
  eben  auch  nach  dem  Aufbruche  Attila’s  gegen  Gallien
in  Böhmen  suchen  müsse.  Freilich  gilt  von  der  nachfolgenden
Zeit,  was  sich  auch  schon  von  dem  vorangehenden  vierten
Jahrhunderte  sagen  lässt:  es  fehlt  jede  weitere  Nachricht,  die
man  direct  auf  Böhmen  beziehen  kann. 2

usque  ad  Danastrum,  et  in  borearn  Viscla  tenus  eommorantur  etc.
Vergl.  Proc.  de  bello  Goth.  IV.  4.
1  Prokopius,  De  bello  Goth.  1.  c.  pEpouXoi]  .  .  h  tozeavov  a^ixopEVoi  IvautÖ.Aovto,
  0ooXr)  te  -poayovTE^  trj  vrjoo)  autou  l'piEivav.  K.  Müllenhoff  und
M.  Rieger,  Ingävonen,  Istävonen,  Hermionen  in  M.  Haupt’s  Zeitschrift
f.  d.  A.  XI.  Berlin  1856,  S.  201  verstehen  unter  Thule  die  Insel  Seeland
der  dänischen  Inselgruppe.
2  Palacky,  Geschichte  Böhmens,  I.  S.  49  a.  a.  0.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.