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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Einwanderung  der  Baiern.

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so  wie  ihre  umsitzenden  Nachbarn,  sich  an  dem  Angriffe  auf
die  Römergrenze  betheiligt  haben.  Zu  untersuchen  bleibt  die
Art  und  Weise,  in  der  dies  geschehen  ist.
Abgesehen  von  der  bereits  berührten  Verschiebung  der  burgundischen
  und  alemannischen  Sitze  finden  wir  hinterher  blos
Vandalen  und  Alanen,  dann  die  Sueben-Semnonen  1  wirklich  im
Westen  sesshaft.  Warum  diese?  Weil  eben  sie  allein  von  harter
Noth  getrieben  in  ganzer  Masse  gegen  Gallien  aufgebrochen
waren.  Die  Vandalen  hatten,  von  den  Gothen  geschlagen,  im
Verein  mit  einem  Alanenhaufen  sich  unter  römischer  Hoheit  in
Pannonien  niedergelassen.  Zu  trotzig  den  Römern  zu  gehorchen, 2
sobald  sich  ihr  Volksthum  wieder  gekräftigt,  und  doch  ausser
Stande  den  übermächtigen  Gothen  ihr  altes  Gebiet  zu  entreissen,
behielten  sie  dann  keine  andere  Wahl  als  nach  dem  Westen
abzuziehen. 3  Die  Semnonen,  die  zuletzt  von  den  umwohnenden
Suebenstämmen  dem  Wanderzuge  nach  dem  Süden  gefolgt
waren  (circa  400  n.  Chr.),  hatte  der  Gothenkönig  Hunimund  aufgehalten ­
  und  zum  Abzüge  nach  Westen  genöthigt. 4  Sie  waren
ebenso  wie  jene  heimatslos.  Dagegen  steht  fest:  die  Heruler
benützten  die  allgemeine  Verwirrung  nur  dazu,  um  als  Seeräuber ­
  die  gallischen  Küsten  zu  plündern;  von  Sarmaten,
Gepiden  und  Pannonien  schlossen  sich  blos  einzelne,  offenbar  -
wenig  starke  Haufen  den  abziehenden  Vandalen  und  Alanen
an,  unter  denen  sie  bald  verschwinden; 5  wir  finden  diese
1  J.  Die  Identität  der  Semnonen  mit  den  später  in  Spanien  anwesenden
Sueven  zeigt  Zeuss,  S.  4S7.  Darnach  muss  auch  seine  Bemerkung  S.  450
Anm.,  dass  wahrscheinlich  Quaden  statt  Sueben  stehen,  verstanden  werden;
doch  erscheint  die  Vermuthung  nicht  noth  wendig.
2  Jordanis  c.  22:  ibique  etc.  imperatorum  decret.is  nt  incolae  famnlarunt.
Jordanis  c.  31.
4  Zeuss,  Die  Deutschen,  S.  458.  Jordanis,  cap.  48.  Gegen  Zeuss  und
R.  Köpke,  der  (Anfänge  des  Königthums  bei  den  Gothen,  Berlin  1859,
S.  138)  unter  den  Suavi  Marcomannen  und  Quaden  verstehen  will,  wendet
sieh  mit  Heftigkeit  E.  A.  Quitzmann,  Die  älteste  Geschichte  der  Baiern,
Braunschweig  1873,  S.  56.  Aber  sein  Argument,  der  Hinweis  auf  die
geographische  Lage,  spricht  eben  fiir  Zeuss’  Ansicht,  da  zur  Zeit  der
Schlacht  Gothen  und  Hunnen  noch  im  Osten  der  Karpathen  sassen.
Vergl.  a.  a.  0.  Jordanis  c.  48  .  .  quos  (Gothos)  constat  .
in  eadem  patria  remorasse.
5  Zeuss,  Die  Deutschen,  S.  450,  Anm.  In  den  meisten  Quellen  werden  darum
auch  blos  die  Hauptvölker,  Vandalen,  Alanen  und  Sueben,  genannt.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  XC1.  Bd.  II.  Hft.  53
            
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