Die Einwanderung der Baiern.
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königin Fritigil ihren Gemal und ihr Volk (396) zur Annahme
des Christenthums bewogen und sie vermocht, sich unter die
Obhut des christlichen Roms zu stellen. 1 Nirgends wird uns von
einer Uebersiedlung des Markomannenvolkes ins Römerreich,
die doch als sehr wichtige Thatsache hätte erscheinen müssen,
berichtet, während uns doch allenthalben Zeugnisse genug über
die Völkerbewegungen in jenen Tagen vorliegen. 2 Nirgends
entdecken wir im fünften Jahrhunderte auch nur eine Spur
markomannischer Bevölkerung im Römergebiete, auch nicht in
der Vita S cti Severini, aus der doch ein heller Lichtstrahl fällt
auf die Bevölkerung der Donaulande. Es haben ungleich
kleinere germanische Schaaren lange und zähe ihr Volksthum
bewahrt: 3 um so weniger konnten die Markomannen, die, aus
den kräftigsten Suebenstämmen hervorgegangen, eine so grosse
Geschichte aufzuweisen hatten, ihres Volksthums in zwei
Menschenaltern sich entkleiden, zumal im fünften Jahrhunderte
römische Macht und romanisches Wesen im unaufhaltsamen
Niedergange begriffen waren.
Die Markomannen werden denn auch wirklich in Böhmen,
an der Westseite der Vandalen, deren Gebiet sich nach dem
Zurückweichen der Römer aus Dacien und der Entfernung der
Burgunden für eine Zeitlang vonr Riesengebirge bis zu den
tränssylvanisehen Alpen erstreckte, noch für circa 340 u. Chr.
1 Chronicon Marcellini comitis (ed. Roneallius, Vetustiora Latiuorum chronica,
2 volum. Patavii 1787), II. p. 273. Pauli Diaconi Vita S. Ambrosii
(aus M. Bouquet, Rerum Gallicarum et Francicarum scriptores, Vol. 1—22,
Par. 1757 — 1865 ff., tom. III.) cap. 36.
2 Aurelius Victor, De Caesar, c. 39: . . . caesi Marcomanni Carporumque
natio translata omnis in nostrum solum etc. Wären ausser Carpen bis
zu Aurelius V. Zeiten auch Markomannen auf das römische Gebiet übersiedelt
worden, so müsste sich hier die Meldung finden. Für später
v. m. Jordanis, cap. XVI. Eusebii Caes. chron. interp. Ilieronymo, ann.
295 (bei Roneallius vol. I.).
3 Statt vieler Beispiele eines (Jordanis cap. 22): Tune perpauci Vandali,
qui evasissent, eollecta imbellium suorum manu infortunatam patriam
relinqueutes, Panoniam sibi a Constantino principe petiere etc. Statt nun
in sechzigjährigem Stillsitzen zu verschwinden, erheben sie sich zu Anfang
des fünften Jahrhunderts um so furchtbarer. Nicht minder geschieht noch
512 des Uebertrittes eines Herulerhaufens über die Donau Erwähnung.
Vergl. Chron. Marcellini com. II. 312.