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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Einwanderung  der  Baiern.

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königin  Fritigil  ihren  Gemal  und  ihr  Volk  (396)  zur  Annahme
des  Christenthums  bewogen  und  sie  vermocht,  sich  unter  die
Obhut  des  christlichen  Roms  zu  stellen. 1  Nirgends  wird  uns  von
einer  Uebersiedlung  des  Markomannenvolkes  ins  Römerreich,
die  doch  als  sehr  wichtige  Thatsache  hätte  erscheinen  müssen,
berichtet,  während  uns  doch  allenthalben  Zeugnisse  genug  über
die  Völkerbewegungen  in  jenen  Tagen  vorliegen. 2  Nirgends
entdecken  wir  im  fünften  Jahrhunderte  auch  nur  eine  Spur
markomannischer  Bevölkerung  im  Römergebiete,  auch  nicht  in
der  Vita  S cti  Severini,  aus  der  doch  ein  heller  Lichtstrahl  fällt
auf  die  Bevölkerung  der  Donaulande.  Es  haben  ungleich
kleinere  germanische  Schaaren  lange  und  zähe  ihr  Volksthum
bewahrt: 3  um  so  weniger  konnten  die  Markomannen,  die,  aus
den  kräftigsten  Suebenstämmen  hervorgegangen,  eine  so  grosse
Geschichte  aufzuweisen  hatten,  ihres  Volksthums  in  zwei
Menschenaltern  sich  entkleiden,  zumal  im  fünften  Jahrhunderte
römische  Macht  und  romanisches  Wesen  im  unaufhaltsamen
Niedergange  begriffen  waren.
Die  Markomannen  werden  denn  auch  wirklich  in  Böhmen,
an  der  Westseite  der  Vandalen,  deren  Gebiet  sich  nach  dem
Zurückweichen  der  Römer  aus  Dacien  und  der  Entfernung  der
Burgunden  für  eine  Zeitlang  vonr  Riesengebirge  bis  zu  den
tränssylvanisehen  Alpen  erstreckte,  noch  für  circa  340  u.  Chr.

1  Chronicon  Marcellini  comitis  (ed.  Roneallius,  Vetustiora  Latiuorum  chronica, ­
  2  volum.  Patavii  1787),  II.  p.  273.  Pauli  Diaconi  Vita  S.  Ambrosii
(aus  M.  Bouquet,  Rerum  Gallicarum  et  Francicarum  scriptores,  Vol.  1—22,
Par.  1757  —  1865  ff.,  tom.  III.)  cap.  36.
2  Aurelius  Victor,  De  Caesar,  c.  39:  .  .  .  caesi  Marcomanni  Carporumque
natio  translata  omnis  in  nostrum  solum  etc.  Wären  ausser  Carpen  bis
zu  Aurelius  V.  Zeiten  auch  Markomannen  auf  das  römische  Gebiet  übersiedelt ­
  worden,  so  müsste  sich  hier  die  Meldung  finden.  Für  später
v.  m.  Jordanis,  cap.  XVI.  Eusebii  Caes.  chron.  interp.  Ilieronymo,  ann.
295  (bei  Roneallius  vol.  I.).
3  Statt  vieler  Beispiele  eines  (Jordanis  cap.  22):  Tune  perpauci  Vandali,
qui  evasissent,  eollecta  imbellium  suorum  manu  infortunatam  patriam
relinqueutes,  Panoniam  sibi  a  Constantino  principe  petiere  etc.  Statt  nun
in  sechzigjährigem  Stillsitzen  zu  verschwinden,  erheben  sie  sich  zu  Anfang
des  fünften  Jahrhunderts  um  so  furchtbarer.  Nicht  minder  geschieht  noch
512  des  Uebertrittes  eines  Herulerhaufens  über  die  Donau  Erwähnung.
Vergl.  Chron.  Marcellini  com.  II.  312.
            
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