Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Eugipius,  eine  Untersuchung.

811

ja  Eugipius  sieht  in  ihm  den  eigentlichen  Fels  der  Kirche:  a
te  qui  spiritualibus  spiritualia  comparans  nos  de  firmissima
petra  illo  quo  profluis  orationis  melle  recreabis.  Nun  versteht
man  erst,  was  eigentlich  Pascliasius  im  Eingang  seiner  Antwort
an  Eugipius  lobt,  dass  dieser  die  Bitterkeiten  und  mannigfachen
Beschäftigungen  der  Sünder  zu  wiederholen  verschmähe,  dass
er  selbst  aber  den  Verlust  der  Scham  durch  liebreiche  C011-templation
  ertrage:  amaritudines  occupationesque  multiplices
peccatorum  retractare  contemnis,  pudoris  jacturam  dilectionis
contemplatione  sustineo.
Auch  die  früher  (S.  797)  besprochene  Aeusserung  unseres
Autors,  dass  das  römische  Reich  zu  Grunde  gegangen  sei,  begreift ­
  man  für  das  Jahr  511  nun  erst  völlig:  die  Möglichkeit
einer  Aussöhnung  mit  dem  ketzerischen  byzantinischen  Kaiser
Anastasios  ist  mit  Laurentius  verschwunden,  der  altrömische
Adel  hat  sich  dem  hierarchischen  Papste  unterwerfen  müssen,
der  gothische  König  hat  dessen  Gewalt  gesichert.
Man  darf  wohl  die  Vermuthung  wagen,  dass  auch  die
römischen  Damen,  mit  denen  Fulgentius  correspondirte,  diese
Empfindungen  theilten.  Chronologisch  würde  eben  Fulgentius’
früher  besprochener  Brief  an  Eugipius  (oben  S.  806)  zunächst
zu  erörtern  sein.
Erst  gegen  Ende  von  Theodorich’s  Regierung  erscheint  ein
neuer  Zeuge  für  Eugipius  in  einem  auch  formell  bedeutenden
Briefe  des  edlen  Dionysius  des  Scythen  oder  —  wie  so  Mancher
in  dieser  Zeit,  z.  B.  Ferrandus,  sich  aus  Bescheidenheit  nannte
—  des  Kleinen  (Exiguus).  Den  literarischen  Inhalt  der
Sendung  einer  lateinischen  Uebersetzung  von  Gregors  von
Nyssa  Buch  irspt  zataczeu^c  dvöpAiuou  bemerkt  auch  Sauppe  p.  VIII.
Für  uns  hat  der  begleitende,  bescheidene,  liebenswürdige
Brief 1  aber  eine  andere  Bedeutung.  Als  sanctissimo  et  a
me  plurimum  venerando  sacro  presbytero  schreibt  er  an  Eugipius. ­
  Er  löst  nur  ein  demselben  gegebenes  Versprechen.  Er
bemerkt  charakteristisch  die  absolute  Treue  der  Uebersetzung. 2
Die  mangelnde  Eleganz  der  Form  entschuldigt  er  aber  damit,

1  Mabillon,  analecta  ed.  II  p.  59.
s  Fidem  sententiarum  pro  mea  medioeritate  servavi,  sciens  veritate  nihil
esse  praestantius.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.