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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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li  ü  d  i  n  g  e  r.

er  sah,  beurtheilte  er  mit  aller  geistlichen  und  vor  Allem  römischen ­
  Geringschätzung-. 1  Ob  er  damals  auch  Eugipius  kennen
lernte,  ist  nicht  festzustellen.  Aus  einem  Briefe  an  denselben' 2
entnimmt  man  etwa  folgendes  für  uns  Erhebliche.  Eugipius
verfügt  nun  selbst  über  eine  ansehnliche  Bibliothek  und  Schreibsklaven; ­
 3  Fulgentius  sendet  auf  Eugipius’  Wunsch  (sicut  praecepisti)
  eine  Abschrift  in  Quaternionen  von  den  libri  tres  ad
Monimum,  deren  Abfassung  bald  nach  dem  Beginne  von  Fulgentius’ ­
  zweitem  Exil  in  Sardinien  angesetzt  wird,  also  in  das
zweite  Jahrzehnt  des  sechsten  Jahrhunderts.  Eugipius  hatte
an  Fulgentius  ausführlich  und  zu  dessen  grosser  Befriedigung
theils  eigenhändig  geschrieben,  theils  dictirt. 4  Seltsam  ist  aber,
dass  Fulgentius  zwei  Sätze  aus  Augustinus’  Schriften  citirt  —
aus  dem  elften  Buche  der  Confessionen  und  der  Erklärung  des
118.  Psalms  —  ohne  bei  Eugipius  irgendwie  eine  nähere  Bekanntschaft ­
  mit  Augustinus  vorauszusetzen  oder  dessen  Excerpte
zu  erwähnen.  Ja  der  ganze  Inhalt  des  Briefes,  5  der  von  der
Caritas  handelt,  schliesst  geradezu  Kenntniss  von  Eugipius’
Sammlung  aus,  deren  erstes  und  ganz  ausdrücklich  deren  vorletztes ­
  und  letztes  Capitel  ,de  nutrienda  caritate*  und  ,sermo
de  laude  caritatis'  denselben  Gegenstand  eben  aus  Augustin
behandeln. r>  Eugipius  legt  darauf,  dass  sein  Buch  hiermit
schliesse,  ein  solches  Gewicht,  dass  er  das  Vorwort  mit  der
Bitte  endet,  ein  künftiger-Erweiterer  seiner  Arbeit  möge  Bedacht ­
  nehmen,  ut  praedicti  duo  de  caritate  tituli  finem  semper

1  Fulgentii  vita  c.  13,  §.  27,  p.  131.
2  Herold’s  Abdruck  p.  109  bis  115  ist  zum  Tlieil  besser,  als  der  Migne’s
patr.  65,  344  sqq.
3  Obsecro  ut  libros,  quos  opus  habemus,  servi  tui  describant  de  codicibus
vestris.  Herold  p.  115,  Migne  348.
4  Sic  in  literas  digessisti  ut  aut  ipse  manu  scriberes  aut  ore  dietares.  Herold ­
  109,  bei  Migne  344  gar:  auctore  dietares.  —  Desprez  (Migne  108)
vermuthet  vielleicht  mit  Recht,  dass  unter  der  accepta  benedictio,  für
die  Fulgentius  dankt,  ein  Geschenk  zu  verstehen  sei.
5  Domino  beatissimo  ac  plurimum  venerabili  ac  toto  caritatis  affectu  desiderabili
  sancto  fratri  et  compresbytero  Eugyppio  Fulgentius  servorum
Christi  famulus,  in  Domino  salutem.
6  Cassiodorius  1.  1.  kennt  nur  339  Capitel,  unsere  Abdrücke  geben  352.
Die  von  Eugipius  in  der  Widmung  gewünschte  Vermehrung  ist  also  reichlich ­
  eingetreten.
            
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