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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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B  ü  d  i  n  g  e  1*.

gesagt  werden  kann  —  nöthigten  dann  eben  auch  zu  statuiren,
dass  er  selbst  eine  Zeitlang  der  dortigen  Congregation  angehört
habe.  Mit  den  vorhandenen  Mitteln  lässt  sich  die  Frage  nicht
weiter  aufklären.
Das  Material  zu  der  grossen  und  noch  lange  gepriesenen
Arbeit  fand  er  in  Proba’s  Bibliothek  in  Rom:  cum  bibliothecae
vestrae  —  sagt  er  in  der  Widmung  —  copia  multiplex  integra
contineat  opera.  Hier  mag  Eugipius  zuerst  eine  Vorstellung
von  der  vorhandenen  Literatur  gewonnen  haben.  Einen  ganzen
Augustinus  zu  besitzen,  wie  er  ihn  anscheinend  selbst  hier
nicht  fand,  schien  dem  armen  Mönche  eine  anmassende  Hoffnung: ­
  nam  omnia  illius  habere  vel  invenire  quis  possit?  ruft
er  aus.  Die  Besitzerin  führt  er  uns  selbst  als  einer  senatorischen
  Familie  angehörig  und  somit,  wie  es  scheint,  als
Standesgenossin  Barbarias  vor,  indem  er  das  P.rädicat  durch
ihren  Charakter  als  Nonne  noch  besonders  ziert. 1  Cassiodor,
der  vielleicht  hier  Eugipius  kennen  lernte, 2  rühmt  diese  seine
Verwandte  ebenfalls:  parentem  nostram  virginem  sacram.  Im
Gefühle  seines  hohen  Ansehens, 3  während  der  sardinischen
Exile  zwischen  509  und  523,  schrieb  der  Bischof  Fulgentius
von  Ruspae  an  ihre  Schwester  Galla: 4  Proba  sei  in  königlicher ­
  Ueppigkeit  aufgewachsen  (deliciis  regalibus  enutrita)
habe  aber  doch  mit  fünf  anderen  weisen  Jungfrauen  das  jungfräuliche ­
  Gelübde  abgelegt,  verachte  das  Wohlleben  (delicias
corporis),  sei,  um  besser  den  Armen  geben  zu  können,  nur
mit  geringen  Gewändern  bekleidet,  ja  er  nennt  sie  als  Muster
für  Galla:  sororem  tuam  sanctam  virginem  Probam.  Er  betont

1  Dominae  merito  venerabili  et  fructu  saerae  virginitatis  in  Christi  gratia
seinper  illustri  ac  per  omnia  Probae.
2  —  quem  nos  quoque  vidimus.  1.  1.
3  Moreellius  Africa  christiana  III,  233.
4  Der  Trostbrief  de  statu  viduarum  (Migne  patr.  lat.  LXV,  311  sqq.)  ist
nach  der  Einleitung  abgefasst,  als  Fulgentius  von  dem  Tode  von  Galla’s
Gemahl  erfuhr:  ante  aliquot  menses  diaconi  mei  ex  Urbe  remeantis
narratione  —  wie  eben  nur  ein  Bischof  schreiben  kann.  Desprez  (Migne
1.  1.  114)  setzt  den  Brief  bestimmt  in  die  Zeit  des  zweiten  sardinischen
Exils.  Die  in  Sardinien  verbannten  Bischöfe  erhielten  übrigens  von  Rom
regelmässige  Unterstützungen.  Vita  Symmaehi  c.  11  (Migne  CXXV1II,
454,  Vignolli  179).
            
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