Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Eugipius,  eine  Untersuchung.

797

in  der  Congregation  und  somit  lange  auch  mit  Eugipius
zusammen?  gelebt  hat  •—  in  monasterii  excubiis  perseverans  —
unterlässt  er  nicht,  anzumerken,  dass  derselbe  (c.  35,  §.  1)
barbarus  genere  gewesen  sei.  Ich  darf  gleich  hier  bemerken,
dass  Eugipius,  trotz  seiner  römischen  Abkunft,  das  römische
Reich,  als  er  dieses  Schriftchen  im  Jahre  511  verfasste,  für
unwiderruflich  untergegangen  und  das  byzantinische  keineswegs ­
  für  einen  Ersatz  desselben  hielt.  Er  war  somit  von  den
Selbsttäuschungen  frei,  welche  vollends  nach  Justinians  Siegen
die  Geister  bis  in  die  Neuzeit  gefangen  hielten:  per  id  tempus,
sagt  er  c.  20,  §.  1,  quo  Romanum  constabat  Imperium:  es  ist
untergegangen  wie  die  oberen  Städte  von  Ufernoricum:  dum
adhuc  Norici  Ripensis  oppida  superiora  constarent,  liest  man
c.  11,  §.  1.
Auch  steht  nichts  im  Wege,  oben  Ufernoricum  als  seine
Heimat  anzusehen. 1  Hier  sind  ihm  nach  mehr  als  zwei  Jahrzehnten ­
  noch  alle  Locale  und  Wegentfernungen 2  geläufig.
Nächst  der  Umgebung  von  Faviana  ist  ihm  die  der  Innmündung
  besonders  gegenwärtig  (c.  19,  1,  22,  1).  Ob  er  selbst
mit  Severinus  einen  entferntem  Punkt  Rätiens  wie  Quintana 3
(c.  15  fg.)  besuchte,  muss  trotz  der  genauen  Localbeschreibung
zweifelhaft  bleiben.  Bei  einem  dort  insgeheim  geschehenen
Wunder  glaubt  er  mindestens  seine  Quelle  nennen  zu  müssen,
den  Subdiacon  Marcus  und  den  Pförtner  Maternus,  welche  ihm
die  Sache  erst  nach  Severins  Tode  erzählten.  Ebenso  erhellt
y
1  Einer  neuerlich  aufgetauchten  irrigen  Meinung  halber  bemerke  ich,  dass
Eugipius  keineswegs  überhaupt  unter  Noricum  die  südliche  Provinz  Mediterraneum
  begreift,  sondern,  wie  c.  37,  erst  in  der  Zeit,  da  die  nördliche
einen  Theil  von  Rugiland  bildete.  Nur  in  diesem  Sinne  will  auch  Severinus ­
  seinen  Leichnam  ad  Roinanam  provinciam  (c.  40,  §.  4)  gebracht
haben,  was  nicht  gerade  Italien  bezeichnet.
2  In  vicesimo  ab  urbe  (Favianis)  miliario  (c.  31,  §.  2);  Ioviaco,  viginti  et
amplius  a  Batavis  milibus  disparatum  (c.  24,  §.  1);  in  secundo  a  Favianis
miliario  (c.  10,  §.  1).  Die  Entfernung  von  Batava  nach  Faviana  bestimmt
er  (c.  22,  §.  4)  mit  centum  et  ultra  milibus;  per  ducenta  ferme  milia
lässt  er  (c.  29,  §.  3)  Almosenbringer  der  Bärenspur  folgen,  wo  die  unrichtige ­
  Zahl  kaum  von  Eugipius  herrühren  kann.
3  Die  Identificirung  mit  Platling  an  der  Isar  (Corpus  inscriptionum  latinaruin
  III,  734)  stimmt  doch  nicht  zu  Eugipius’  Angabe:  super  ripam
Danuvii  situm,  selbst  wenn  der  parvus  fluvius,  cui  Businca  nomen,  die
Isar  sein  sollte.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.