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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

G68

Knöll.

der  Umstand,  dass  Vatic.  an  manchen  Stellen  einen  vollständigeren ­
  Text  gibt  als  A;  so  27,  6  und  88,  16,  wo  in  A  jedesmal ­
  ein  Vers  fehlt.  Dagegen  fehlt  im  Vat.  der  Vers  68,  6:  -ocp’.o
veupr)v  ö£eo><;  dqjslg  TtpwTo?.  In  der  Aufeinanderfolge  der  Verse
weichen  beide  Handschriften  an  folgenden  Stellen  ab:  12,  10  ff.
und  21,  9.  10;  an  letzterer  Stelle  ist  die  des  Vat.  die  richtige.
Folgende  Verse  des  Vat.  differiren  von  den  durch  A  überlieferten ­
  vollständig  —  hierbei  sehe  ich  natürlich  von  den
zahlreichen,  durch  des  Abschreibers  Willkür  und  Unverständniss
  entstandenen  politischen  Versen  ab  —  12,  16.  17.  27,  2.
114,  6.  7.  117,  2.  Betreffs  der  vielen  anderen  abweichenden
Lesarten  verweise  ich  auf  den  folgenden  Abschnitt.
Eine  auffallende  Verschiedenheit  herrscht  zwischen  beiden
Handschriften  in  Bezug  auf  die  metrischen  Epimythien.  Diese
wurden  bekanntlich  erst  von  Eberhard  als  nicht  von  dem
Dichter  herrührend  aus  dem  Texte  desselben  ausgeschieden,
während  die  früheren  Ausgaben  blos  einen  Theil  derselben  einklammerten. ­
  Betreffs  des  Archetypus  des  Codex  Bodleianus
glaube  ich  in  der  Abhandlung  die  babrianischen  Fabeln
des  Codex  Bodleianus  2906 1  nachgewiesen  zu  haben,  dass
derselbe  eine  grössere  Zahl  von  A  vollständig  abweichender
metrischer  Epimythien  voraussetze.  Der  Codex  Vaticanus  nun
kennt  die  wenigsten  dieser  Nutzanwendungen;  sie  fehlen  in
allen  Fabeln,  auch  in  denen,  wo  sie  A  hat:  12.  21.  33.  83.
Nur  Fabel  116  und  130,  die  übrigens  in  A  fehlt,  haben  Epimythien ­
  ;  in  Fabel  130  rührt  es  vermuthlich  von  Babrius  her.
Dieses  Fehlen  ist  nicht  auf  ein  mit  Absicht  vom  Schreiber  des
Vat.  befolgtes  Weglassen  zurückzuführen,  sondern  es  ist  vielmehr ­
  anzunehmen,  dass  derselbe  in  seiner  Vorlage  nicht  mehr
solcher  versificirter  Nutzanwendungen  vorfand;  es  hat  also  den
Anschein,  dass  dieselben  erst  in  ziemlich  später  Zeit  in  die
Handschriftenclasse  des  Athous  eingedrungen  sind.
Dagegen  herrscht  in  den  prosaischen  Epimythien,  abgesehen ­
  von  der  Verschiedenheit  des  Ausdrucks,  im  Gedanken
fast  in  allen  Uebereinstimmung  zwischen  beiden  Handschriften;
Die  prosaischen  Epimythien  müssen  daher  älter  sein
als  die  metrischen.  Uebereinstimmung  zwischen  Vat.  und

1  Prog-ranmiaufsatz  des  Gymnasiums  im  ersten  Bezirke  Wiens  1876.
            
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