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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Neue  Fabeln  des  Babrius.

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falsches  Lesen,  noch  häufiger  aber  durch  schlechte  und  vollständig ­
  überflüssige  Oonjecturen  Furia’s,  die  er  an  die  Stelle
des  nicht  verstandenen  Richtigen  setzte. 1  So  wird  die  Planlosigkeit ­
  seiner  Auswahl  womöglich  noch  durch  die  Willkür,
mit  der  er  den  Text  herstellte,  überboten.  Dass  dieser  Vorwurf ­
  gerechtfertigt  ist,  zeigen  die  unten  in  dem  Abschnitt
,Varianten  des  Codex  Vaticanus'  angeführten  zahlreichen  Versehen ­
  Furia’s.
In  dem  Codex  Vaticanus  fällt  vor  Allem  die  grosse  Zahl
von  Fabeln,,  die  sich  in  demselben  vereinigt  finden,  auf;  denn
diese  übertrifft  sogar  noch  die  Fabelzahl  des  Codex  Augustanus.
Damit  hat  es  jedoch  folgendes  Bewandtniss:  es  enthält  nämlich
die  vaticanische  Handschrift  nicht  wie  die  meisten  übrigen
Fabelcodices  Fabeln  einer  einzigen  Recension,  sondern  sie
bietet  vielmehr  eine  Auswahl  von  Fabeln  der  verschiedensten
Redactionen,  so  dass  in  dieselbe  sowohl  Prosafabeln  (zumeist
mit  den  aus  dem  Codex  Casinensis  und  Codex  Bodleianus  bekannten ­
  übereinstimmend)  als  auch  Fabeln  im  sogenannten
politischen  Vers  und  choliambische  Fabeln  des  Babrius  aufgenommen ­
  sind.  Nicht  genug  daran;  es  kommt  sogar  nicht
selten  vor,  dass  Fabeln  desselben  Inhalts  in  der  Handschrift
zweimal,  das  eine  Mal  in  poetischer  Form  oder  im  politischen
Vers,  das  andere  Mal  in  einer  Prosaparaphrase  wiederkehren.
So  ist  z.  B.  die  Fabel  von  Nachtigal  und  Schwalbe  (Babr.  12)
das  eine  Mal  (216)  in  choliambischem,  das  andere  Mal  (221)
in  politischem  Vers  in  diese  Sammlung  aufgenommen.  Ebenso
die  Fabel  von  der  Witwe  und  dem  Schaf  (Cor.  288)  einmal
(193)  prosaisch,  das  andere  Mal  (226)  in  politischen  Versen. 2
Ja  es  beschränkte  sich  sogar  der  Schreiber,  welcher  diese
1  Furia  bemerkt  über  den  Zustand  des  Textes  sowie  über  seine  Thätigkeit
bei  der  Herausgabe  dieser  Fabeln  Folgendes  (p.  XL  der  Leipziger  Ausgabe) ­
  :  Dolendum  tarnen  horum  codicum  (er  benützte  also  mehrere  Codices
der  Vaticana)  Scriptorem  adeo  imperitum  atque  rüdem  fuisse,  ut  fere  nulla
in  iis  verl/a  mendis  careant  .  .  .  Codicum  itaque  Vaticanorum  lectionem
sarcire  saepissime  necesse  fuit;  opus  mehercle  plenum  aleae  periculosae:
in  quo  licet  omnis  cura  atque  diligentia  adhibita  fuerit,  non  tarnen  ad
unguem  perfectum  et  castigatum  dici  potest.  Dass  Furia  sehr  häufig  Fehlerloses ­
  auszubessern  versucht  hat,  wird  durch  das  Folgende  klar.
2  Ich  behalte  mir  vor,  das,  was  dieser  Codex  noch  in  anderer  Beziehung
Neues  bietet,  bei  nächster  Gelegenheit  mitzutheilen.
            
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