Neue Fabeln des Babrius.
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falsches Lesen, noch häufiger aber durch schlechte und vollständig
überflüssige Oonjecturen Furia’s, die er an die Stelle
des nicht verstandenen Richtigen setzte. 1 So wird die Planlosigkeit
seiner Auswahl womöglich noch durch die Willkür,
mit der er den Text herstellte, überboten. Dass dieser Vorwurf
gerechtfertigt ist, zeigen die unten in dem Abschnitt
,Varianten des Codex Vaticanus' angeführten zahlreichen Versehen
Furia’s.
In dem Codex Vaticanus fällt vor Allem die grosse Zahl
von Fabeln,, die sich in demselben vereinigt finden, auf; denn
diese übertrifft sogar noch die Fabelzahl des Codex Augustanus.
Damit hat es jedoch folgendes Bewandtniss: es enthält nämlich
die vaticanische Handschrift nicht wie die meisten übrigen
Fabelcodices Fabeln einer einzigen Recension, sondern sie
bietet vielmehr eine Auswahl von Fabeln der verschiedensten
Redactionen, so dass in dieselbe sowohl Prosafabeln (zumeist
mit den aus dem Codex Casinensis und Codex Bodleianus bekannten
übereinstimmend) als auch Fabeln im sogenannten
politischen Vers und choliambische Fabeln des Babrius aufgenommen
sind. Nicht genug daran; es kommt sogar nicht
selten vor, dass Fabeln desselben Inhalts in der Handschrift
zweimal, das eine Mal in poetischer Form oder im politischen
Vers, das andere Mal in einer Prosaparaphrase wiederkehren.
So ist z. B. die Fabel von Nachtigal und Schwalbe (Babr. 12)
das eine Mal (216) in choliambischem, das andere Mal (221)
in politischem Vers in diese Sammlung aufgenommen. Ebenso
die Fabel von der Witwe und dem Schaf (Cor. 288) einmal
(193) prosaisch, das andere Mal (226) in politischen Versen. 2
Ja es beschränkte sich sogar der Schreiber, welcher diese
1 Furia bemerkt über den Zustand des Textes sowie über seine Thätigkeit
bei der Herausgabe dieser Fabeln Folgendes (p. XL der Leipziger Ausgabe)
: Dolendum tarnen horum codicum (er benützte also mehrere Codices
der Vaticana) Scriptorem adeo imperitum atque rüdem fuisse, ut fere nulla
in iis verl/a mendis careant . . . Codicum itaque Vaticanorum lectionem
sarcire saepissime necesse fuit; opus mehercle plenum aleae periculosae:
in quo licet omnis cura atque diligentia adhibita fuerit, non tarnen ad
unguem perfectum et castigatum dici potest. Dass Furia sehr häufig Fehlerloses
auszubessern versucht hat, wird durch das Folgende klar.
2 Ich behalte mir vor, das, was dieser Codex noch in anderer Beziehung
Neues bietet, bei nächster Gelegenheit mitzutheilen.