Neue Fabeln des Babrius.
661
eine vollständige Sammlung der Fabeln des Babrius genommen
habe; in der Einleitung zu seiner Ausgabe äsopischer Fabeln
sagt er (p. IV): ,quod si editor Florentinus animaduertisset, ut
Niebuhrius primo aspectu agnouis.se dicitur, fortasse nunc integrum,
Babrium haberemus“. Bei meinem Aufenthalte in Rom im Winter
dieses Jahres, dessen Ermöglichung ich der k. Akademie der
Wissenschaften danke, ist es mir geglückt, diese für verloren
gehaltene Handschrift wieder zu finden.
Es ist diess Codex Vaticanus graecus Nr. 777; dass Niebuhr
ihn nicht auch in den Händen gehabt habe, ist mir ganz
unglaublich; dass er ihn nicht gefunden, hängt wesentlich mit
der Beschaffenheit des Codex, von der weiter unten die Rede
sein soll, zusammen. Niebuhr war wohl der Ansicht, diese
Handschrift enthalte wenig anderes als babrianische Fabeln;
dieser Umstand scheint ihre Entdeckung gehindert und zu der
Ansicht geführt zu haben, sie sei auf dem Rücktransport von
Florenz nach Rom in Verlust gerathen (C. Halm Falb. Aes.
praef. p. IV). Und doch hätte schon die Auswahl Furia’s aus
derselben einen derartigen Irrthum benehmen müssen. Die
Hoffnung freilich, dass der Vaticanus die Fabeln des Babrius
ganz enthalte, erfüllt er nicht; doch bietet die Handschrift
immerhin des Neuen ziemlich viel; diess so bald wie möglich
zur Kenntniss der sich für dieses Gebiet interessirenden Gelehrten
zu bringen, ist Aufgabe dieser Zeilen.
Darüber nun, dass Codex Vaticanus 777 mit dem von
Furia benützten identisch sei, kann nicht der leiseste gerechtfertigte
Zweifel aufkommen; denn erstens finden sich in demselben
alle 36 Fabeln, die Furia aus ihm abgedruckt hat,
wieder; und zweitens kommt in der Fabel vom kranken Löwen
und dem Hirsch (Furia 356) dieselbe grosse Lücke vor.
Dieser Codex ist eine Papierhandschrift von kleinstem
Format aus der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts;
er enthält von f. 15 r bis f. 106 v 242 Fabeln, denen eine weit
spätere (neue) Hand (vielleicht Furia selbst?) die Nummern
am Rande beischrieb; vorher geht eine Schrift theologischen
Inhalts. Diese Hand übersprang jedoch bei der Nummerirung
drei Fabeln, von denen zwei nachträglich von derselben Hand
die Nummern 16’’ und 206 b erhielten; eine (203 b ) ist, weil sie
des Anfangsbuchstaben entbehrte, ohne Nummer geblieben.
43*