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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Neue  Fabeln  des  Babrius.

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eine  vollständige  Sammlung  der  Fabeln  des  Babrius  genommen
habe;  in  der  Einleitung  zu  seiner  Ausgabe  äsopischer  Fabeln
sagt  er  (p.  IV):  ,quod  si  editor  Florentinus  animaduertisset,  ut
Niebuhrius  primo  aspectu  agnouis.se  dicitur,  fortasse  nunc  integrum,
Babrium  haberemus“.  Bei  meinem  Aufenthalte  in  Rom  im  Winter
dieses  Jahres,  dessen  Ermöglichung  ich  der  k.  Akademie  der
Wissenschaften  danke,  ist  es  mir  geglückt,  diese  für  verloren
gehaltene  Handschrift  wieder  zu  finden.
Es  ist  diess  Codex  Vaticanus  graecus  Nr.  777;  dass  Niebuhr
  ihn  nicht  auch  in  den  Händen  gehabt  habe,  ist  mir  ganz
unglaublich;  dass  er  ihn  nicht  gefunden,  hängt  wesentlich  mit
der  Beschaffenheit  des  Codex,  von  der  weiter  unten  die  Rede
sein  soll,  zusammen.  Niebuhr  war  wohl  der  Ansicht,  diese
Handschrift  enthalte  wenig  anderes  als  babrianische  Fabeln;
dieser  Umstand  scheint  ihre  Entdeckung  gehindert  und  zu  der
Ansicht  geführt  zu  haben,  sie  sei  auf  dem  Rücktransport  von
Florenz  nach  Rom  in  Verlust  gerathen  (C.  Halm  Falb.  Aes.
praef.  p.  IV).  Und  doch  hätte  schon  die  Auswahl  Furia’s  aus
derselben  einen  derartigen  Irrthum  benehmen  müssen.  Die
Hoffnung  freilich,  dass  der  Vaticanus  die  Fabeln  des  Babrius
ganz  enthalte,  erfüllt  er  nicht;  doch  bietet  die  Handschrift
immerhin  des  Neuen  ziemlich  viel;  diess  so  bald  wie  möglich
zur  Kenntniss  der  sich  für  dieses  Gebiet  interessirenden  Gelehrten ­
  zu  bringen,  ist  Aufgabe  dieser  Zeilen.
Darüber  nun,  dass  Codex  Vaticanus  777  mit  dem  von
Furia  benützten  identisch  sei,  kann  nicht  der  leiseste  gerechtfertigte ­
  Zweifel  aufkommen;  denn  erstens  finden  sich  in  demselben ­
  alle  36  Fabeln,  die  Furia  aus  ihm  abgedruckt  hat,
wieder;  und  zweitens  kommt  in  der  Fabel  vom  kranken  Löwen
und  dem  Hirsch  (Furia  356)  dieselbe  grosse  Lücke  vor.
Dieser  Codex  ist  eine  Papierhandschrift  von  kleinstem
Format  aus  der  zweiten  Hälfte  des  fünfzehnten  Jahrhunderts;
er  enthält  von  f.  15 r  bis  f.  106 v  242  Fabeln,  denen  eine  weit
spätere  (neue)  Hand  (vielleicht  Furia  selbst?)  die  Nummern
am  Rande  beischrieb;  vorher  geht  eine  Schrift  theologischen
Inhalts.  Diese  Hand  übersprang  jedoch  bei  der  Nummerirung
drei  Fabeln,  von  denen  zwei  nachträglich  von  derselben  Hand
die  Nummern  16’’  und  206 b  erhielten;  eine  (203 b )  ist,  weil  sie
des  Anfangsbuchstaben  entbehrte,  ohne  Nummer  geblieben.
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