Die Röinerorte zwischen der Traun und dem Inn.
605
von dem so eben genannten heutigen Orte gesucht werden
müsse, ferner, dass jenes Castell nur ein Vorwerk von Stanacum
gewesen sei.
Der factische Abstand von Engelhartszell bis Schlägen
beträgt am Donauufer hin 9'/ 2 Milien; wäre die Strasse in
dieser Richtung am Strome selbst geführt gewesen, so müsste
Stanacum drei Milien unterhalb von Engelhartszell gestanden
haben, dann würde die Distanz bis Joviacum nur 6'/ 2 Milien
betragen, während das Itinerar dafür nahezu das dreifache,
nämlich 18 Milien angibt. Es folgt daraus mit zwingender
Nothwendigkeit, dass die Strasse diese Strecke nicht am Ufer
gemacht, sondern von Engelhartszell aus die Höhe der Donauleiten
erstiegen habe und über den Kamm hin in beträchtlichen
Krümmungen gelaufen sei. Auch bis in die neueste Zeit ging
die Strasse über die Höhe; nur von Schlägen bis Wesenufer
ist neuestens eine an der Donau selbst laufende Strasse erbaut
worden.
Drei Milien von Engelhartszell aufwärts gehend treffen
wir auf den Ort Steinödt oder Steinedt, Pfarre St. Aegyd.
An und für sich fällt der Name auf, weil sowohl die mit Stein
als die mit Oed zusammengesetzten Namen häufig dort sich
einstellen, wo Reste von römischen Steinbauten vorhanden sind,
oder an Plätzen von zu Grunde gegangenen Ansiedlungen, welche
das Volk als unheimliche, nicht gerne betretene Unglücksstätten
mit ,Oede‘ bezeichnet. Hier tritt aber noch dazu, dass im
XIII. Jahrhunderte (1270) der Ort Steinaech genannt wird. 1
Auf der Donauleiten haben sich die Romanen lange erhalten,
der Name Henwalcharen erscheint ebenfalls noch im XIII. Jahrhundert
für die Dörfer Höhndorf und Wallern. 2 Es ist daraus
erklärbar, dass der alte römische Ortsname Stanacum im
Volksmunde fortlebte, zumal als die mundartliche Aussprache
Stanach oder Stoanach dem alten Namen noch näher stand.
Später, da man seinen Ursprung nicht mehr wusste, deutete
man ihn auf Stein und Ach, was ja sehr nahe lag, zumal als
1 Urkundenbueh des Landes ob der Enns III, 369.
2 Vgl. darüber Julius Strnadt, Peuerbaeh, Linzer Musealberichte, 1868,
(XXVII), 17 f. In der Nähe beider Orte erscheint in der Specialkarte
auch eine ,Wallleiten 1 .