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Kenner.
Wir kehren zur uferländischen Strasse, die wir bei Alkoven
verlassen haben, zurück. Sie ging wohl ziemlich in der Richtung
der heutigen über Ort Strass und Raffelding nach Eferding:
von hier über Pupping bis Pfaffing bei Hartkirchen; dort
zweigte ein Strang ab, der als ,Hochstrasse' bei Aschach auftaucht
und zu dem Castelle daselbst führte. Der Hauptstrang
aber bewegte sich in ziemlich gerader Richtung über Hilkering
und an der Ruine Stauf vorüber, wie noch heute die alte
Schifferstrasse nach Schlägen, 1 um den Anstieg auf die Donauleiten
zu gewinnen und auf dem Kamme bis Haibach zu
gelangen, wo eine römische Goldmünze gefunden wurde; 2 von
dort stieg er wahrscheinlich über Pichl und Schlägelleiten in
das Thal. Die Richtung über Aschach am Stromufer ist
unwahrscheinlich. Die Schwierigkeit am Steilabhange des Gebirges
den für eine Heeresstrasse nöthigen Raum zu gewinnen,
stand dieser Richtung nicht allein entgegen. Man musste auch
die Hochwässer berücksichtigen, welche in Stromschluchten,
wo sie auf ein schmaleres Rinnsal eingeengt sind, viel reissender
auftreten als in Ebenen; zudem war jede Bewegung auf
der Heeresstrasse der Beobachtung des Feindes vom anderen
Ufer, selbst ihren Ueberfällen ausgesetzt. Nicht blos hier,
sondern, wie schon oben bemerkt wurde, in allen Stromschluchten,
die von Steilabhängen gebildet sind, haben die
Römer ihre Strassen nicht am Ufer geführt, sondern hinter
dem Ufergebirge, wenn nicht allzuweit entfernt ein ebener
Weg möglich war, oder auf dem Kamme der Höhen hin.
Das letztere war sowohl zwischen Hartkirchen und Schlägen,
als auch zwischen hier und Engelhartszell der Fall.
Diese letztgenannte Strecke hat eine grosse Verschiedenheit
der Meinungen hervorgerufen. Sie ist veranlasst durch die
Angabe des Itinerars, welches von Joviacum nach Stanacum
18, von hier nach Passau 20, zusammen 38 Milien angibt,
während die thatsächliche Entfernung am Ufer hin zwischen
Schlägen und Engelhartszell nur 9y 2 , die von hier bis Passau
nur 17 Milien beträgt, zusammen also 26 l / 2 . Man hat dies so
1 J. Strnadt, ,Peuerbach‘, Linzer Musealbericlite XXVII (18G8) S. 9.
2 GaisBerger, Ausgrabungen von Schlägen. Ebenda. 1840.