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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Kenner.

Wir  kehren  zur  uferländischen  Strasse,  die  wir  bei  Alkoven
verlassen  haben,  zurück.  Sie  ging  wohl  ziemlich  in  der  Richtung ­
  der  heutigen  über  Ort  Strass  und  Raffelding  nach  Eferding: ­
  von  hier  über  Pupping  bis  Pfaffing  bei  Hartkirchen;  dort
zweigte  ein  Strang  ab,  der  als  ,Hochstrasse'  bei  Aschach  auftaucht ­
  und  zu  dem  Castelle  daselbst  führte.  Der  Hauptstrang
aber  bewegte  sich  in  ziemlich  gerader  Richtung  über  Hilkering
und  an  der  Ruine  Stauf  vorüber,  wie  noch  heute  die  alte
Schifferstrasse  nach  Schlägen, 1  um  den  Anstieg  auf  die  Donauleiten ­
  zu  gewinnen  und  auf  dem  Kamme  bis  Haibach  zu
gelangen,  wo  eine  römische  Goldmünze  gefunden  wurde; 2  von
dort  stieg  er  wahrscheinlich  über  Pichl  und  Schlägelleiten  in
das  Thal.  Die  Richtung  über  Aschach  am  Stromufer  ist
unwahrscheinlich.  Die  Schwierigkeit  am  Steilabhange  des  Gebirges ­
  den  für  eine  Heeresstrasse  nöthigen  Raum  zu  gewinnen,
stand  dieser  Richtung  nicht  allein  entgegen.  Man  musste  auch
die  Hochwässer  berücksichtigen,  welche  in  Stromschluchten,
wo  sie  auf  ein  schmaleres  Rinnsal  eingeengt  sind,  viel  reissender
  auftreten  als  in  Ebenen;  zudem  war  jede  Bewegung  auf
der  Heeresstrasse  der  Beobachtung  des  Feindes  vom  anderen
Ufer,  selbst  ihren  Ueberfällen  ausgesetzt.  Nicht  blos  hier,
sondern,  wie  schon  oben  bemerkt  wurde,  in  allen  Stromschluchten, ­
  die  von  Steilabhängen  gebildet  sind,  haben  die
Römer  ihre  Strassen  nicht  am  Ufer  geführt,  sondern  hinter
dem  Ufergebirge,  wenn  nicht  allzuweit  entfernt  ein  ebener
Weg  möglich  war,  oder  auf  dem  Kamme  der  Höhen  hin.
Das  letztere  war  sowohl  zwischen  Hartkirchen  und  Schlägen,
als  auch  zwischen  hier  und  Engelhartszell  der  Fall.
Diese  letztgenannte  Strecke  hat  eine  grosse  Verschiedenheit ­
  der  Meinungen  hervorgerufen.  Sie  ist  veranlasst  durch  die
Angabe  des  Itinerars,  welches  von  Joviacum  nach  Stanacum
18,  von  hier  nach  Passau  20,  zusammen  38  Milien  angibt,
während  die  thatsächliche  Entfernung  am  Ufer  hin  zwischen
Schlägen  und  Engelhartszell  nur  9y 2 ,  die  von  hier  bis  Passau
nur  17  Milien  beträgt,  zusammen  also  26 l / 2 .  Man  hat  dies  so

1  J.  Strnadt,  ,Peuerbach‘,  Linzer  Musealbericlite  XXVII  (18G8)  S.  9.
2  GaisBerger,  Ausgrabungen  von  Schlägen.  Ebenda.  1840.
            
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