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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

i

592  Kenner.
die  Topographie  desselben  nahe  berührenden  Punkte  zu.  Es  ist
der  Tod  des  presbyter  spiritualis  vitae,  Maximianus,  der  von  dem
Biographen  des  heiligen  Severinus,  Eugippius,  erwähnt  wird. 1
Zwei  alte  und  angesehene  Handschriften,  die  von  St.  Emeram
und  eine  von  Dr.  Beda  Dudik  (im  Iter  Romanum  I,  62)
erwähnte  und  von  Professor  Dr.  Anton  Kerschbaumer  herausgegebene ­
  Lateranensische  geben  verschiedene  Lesearten,  welche
eine  Streitfrage  über  den  Schauplatz  des  Todes  des  Maximianus
hervorriefen.
Als  der  Heilige  in  Batavis  (Passau)  verweilte,  liess  er
eines  Tages  die  Einwohner  eines  oppidum,  dessen  Namen  und
Abstand  von  Batavis  genannt  wird,  durch  eine  der  Offenbarungen ­
  Gottes  ermahnt,  deren  er  sich  vielfach  zu  erfreuen
hatte,  warnen,  sogleich  den  Ort  zu  verlassen;  wenn  sie  seinen
Auftrag  missachteten,  würden  sie  zu  Grunde  gehen.  Die  Einwohner ­
  zweifelten  theils  an  der  Voraussagung,  theils  glaubten
sie  die  Warnung  gar  nicht,  daher  schickte  der  Heilige  einen
zweiten  Boten,  Quintasius,  mit  der  Weisung,  sich  möglichst
zu  beeilen  und  den  Einwohnern  des  betreffenden  Ortes  .zu
sagen,  wenn  sie  noch  diese  Nacht  dort  verblieben,  würden
sie  sofort  in  Gefangenschaft  gerathen  (,Perge  velocius,  denuntians
  eis,  si  hac  ibidem  nocte  manserint,  sine  dilatione  capientuP),
insbesondere  solle  er  den  presbyter  Maximianus  inständig  warnen,
damit  doch  er  die  Verächter  seiner  Mahnung  verlasse  und  sich
beeile  durch  die  himmlische  Barmherzigkeit  gerettet  zu  werden.
Der  Bote  vollzog  seinen  Auftrag,  fand  abermals  keinen  Glauben
und  eilte  wieder  fort,  ohne  im  Geringsten  den  Wunsch  des
Presbyter,  sein  Gast  zu  sein,  zu  erfüllen.  In  dieser  Nacht
brachen  die  Heruler  unerwartet  ein,  zerstörten  die  Stadt,
machten  die  meisten  Einwohner  zu  Gefangenen  und  hingen
den  Presbyter  an  den  Galgen.
Der  Codex  von  St.  Emeram  nennt  das  oppidum,  von
dem  die  Erzählung  handelt,  Jopia,  der  lateranensische  Joviaco,

1  C.  24.  Vita  S.  Severini  auctore  Eugippio  etc.  edidit  A.  Kerschbaumer.
Scaphusiae  1862.  —  Der  Herausgeber  hatte  ohne  Dudik’s  Notiz  zu  kennen,
den  Codex  im  Archiv  des  Lateran  aufgefunden  und  dessen  Alter  auf  das
X.  Jahrhundert  bestimmt.  —  Neuestens  benützte  ihn  Sauppe,  letzterer  in
den  Monumenta  Germaniae  historica.  Tom  I,  pars  2.  Berolini  1877.
            
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