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Kenner.
Wenn nun an den beiden Endpunkten der Uferebene
Castelle vorhanden waren, von welchen das eine (bei Fall)
durch einen Fund erwiesen, das andere nach dem Zusammentreffen
verschiedener Merkmale als sehr wahrscheinlich vorauszusetzen
ist, wenn also bezüglich der Endpunkte die Analogie
mit der Befestigung anderer Uferebenen zutrifft, so werden
wir mit Sicherheit das Gleiche auch für die Mitte der Ebene
voraussetzen und die Existenz eines dritten und zwar grösseren
Castelles in Eferding selbst annehmeu dürfen.
Mauern, Ziegel, Reliefs, Inschriften sind in der Zeit, in
welcher man auf solche Vorkommnisse aufmerksam geworden
war, nicht gefunden worden, was zum Theil in den wenigen
bis in den Grund gehenden baulichen Veränderungen begründet
sein mag, die an der betreffenden Stelle vor sich gingen, zum
Theil in dem Umstand, dass Ziegel, Töpfe, behauene Steine
von den Arbeitern weit weniger beachtet zu werden pflegten
und noch pflegen, als Münzfunde. Möglich ist es auch, dass
die Donau hier mannigfachen Schaden angerichtet hat. Wie
die Tradition erzählt, floss sie einst ganz nahe an der Stadt
vorüber, man zeigt am Hause Nr. 101 in der Kirehgasse an
einem grossen Stein einen eisernen Ring, an welchen sich
diese Erinnerung knüpft. 1 Vielleicht deutet auch der heutige
Ortsname darauf hin. In Niederdeutschland (Hamburg, Bremen,
Ditmarschen, Holstein, Ostfriesland) bezeichnet ever ein
Flussschiff (navicula, lembus, scapha) mit scharfem, in die
Fluth einschneidenden Kiel und einem Mast. Im Harlingerland
ist es auch ein Binnenschiff. 2 Die Silbe -ingen bezeichnet
eine Mehrzahl, Everdingen also, wie der Ort in den ältesten
Urkunden heisst, — Efridingen und Euirtingen sind jüngere
und seltenere Formen 3 — ist ein Ort, wo viele Schiffe landen;
es stimmt damit recht wohl überein, dass in der ersten urkundlichen
Erwähnung unserer Stadt von der Scliiffsmauth daselbst
die Rede ist. 4 Man kann damit vergleichen die Ortsnamen
Eueriche bei oder in Cöln (X. Jahrhundert), 5 Everdesheim bei
1 Piliwein, Hausruckkreis, S. 213.
2 Grimm, Deutsches Wörterbuch s. v.
3 Kopal, Gesch. v. Eferding a. a. O. S. 10, 11, 16, 18.
4 Ebenda, S. 9.
5 Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, II, 529 f.