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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Kenner.

grosse  Innbach,  Zugänge  in  die  inneren  Tlieile  des  Landes.
Im  Centrum  der  verschiedenen  Richtungen,  in  welchen  sie  sich
bewegen,  von  ihnen  umschlossen  und  im  Rücken  durch  die
hier  bis  auf  eine  halbe,  ja  eine  Viertelstunde  von  Süden  her
nahe  tretenden  Hügel  geschützt,  liegt  das  Städtchen  Eferding,
noch  heute  der  Knotenpunkt  von  sechs  verschiedenen  Strassen,
die  nach  der  Brandstatt  (dem  Donauhafen  der  Stadt),  nach
Aschach,  Stroheim,  Weizenkirchen,  Grieskirchen,  Wels  und
Linz  führen  und  durch  ihr  Zusammentreffen  dahier  hinlänglich
die  Vortheile  der  Lage  der  Stadt  darthun.  Wie  immer  in
der  Ebene  vertheilt  sich  der  Strom  in  viele  Arme,  die  Auenbildung
  erleichtert  den  Uebergang,  zu  dem  ist  das  Ufer  flach
und  am  Rande  gegen  den  Strom  durch  keine  natürliche  Barriere
geschützt.
Man  muss  sich  gegenwärtig  halten,  dass  die  linkseitige
Ebene  auf  die  weite  Entfernung  zwischen  Passau  und  Linz  der
einzige  Sammelplatz  der  Germanen  war,  und  dass  gegenüber
in  der  Richtung  Eferding-Wels  eine  fast  gerade  und  darum
auch  die  kürzeste  Linie  zum  Uebergang  über  das  Gebirge  in
das  norische  Binnenland  und  nach  Italien  sich  öffnet;  die
Colonie  Ovilava  lag  in  dieser  Linie  nur  etwa  12  Milien  vom
Mittelpunkt  der  rechtseitigen  Uferebene  entfernt,  bei  ihr  mündete
jene  Römerstrasse,  die  über  den  Pirn  und  weiter  über  das  Tauerngebirge ­
  nach  Virunum  zog.  Gelang  es  nun  einem  grösseren
Germanenheere  von  Eferding  her  vorzudringen  und  die  Colonie
einzunehmen,  so  hatte  es  den  Gebirgsübergang  sowie  die  Verbindung ­
  der  oberen  und  unteren  Castelle,  in  weiterem  Sinne
jene  zwischen  Gallien  und  Pannonien  und  zwar  sowohl  auf  der
ufer-  als  binnenländischen  Strasse  in  der  Hand.
Durch  diese  Verhältnisse,  also  speciell  mit  Rücksicht  auf
die  Colonie  Ovilava  erhielt  die  Umgebung  von  Eferding  eine
grosse  militärische  Wichtigkeit.  Den  Gefahren  in  der  Traunebene ­
  war  entgegengewirkt  durch  das  Castell  von  Lentia  und
durch  umsichtige  Benützung  des  Terrains  für  den  Flussübergang, ­
  in  dem  Berglande  zwischen  Aschach  und  Passau  bestanden ­
  Castelle  an  den  zwei  bedrohteren  Punkten,  wie  wir  sehen
werden.  Ebenso  oder  vielmehr  in  noch  höherem  Grade  musste
in  der  von  .Natur  aus  schutzlosen  Uferebene  durch  künstliche
Vorkehrungen  Sicherheit  geschaffen  werden.
            
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