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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  Römerorte  zwischen  der  Traun  und  dem  Inn.

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mehrere  Auen  im  Strome,  welche  den  Uebergang  erleichterten
und  verbargen,  ferner  diesseits  ein  flaches  Ufer,  so  dass
grössere  Schaaren  ohne  Schwierigkeiten  die  Traunebene  besetzen ­
  konnten.
Daher  erscheint  Lentia  in  der  Zeit,  als  der  Grenzschutz
eine  brennende  Frage  geworden  war,  der  Notitia  zu  Folge  als
der  militärische  Hauptort  der  Traunebene.  Hier  hatte
der  praefectus  legionis  secundae  Italicae  partis  inferioris  seinen
Sitz;  ausserdem  war  eine  Abtheilung  von  Equites  sagittarii
daselbst  stationirt. 1
Es  ist  klar,  dass  man  einen  Posten  von  solcher  Wichtigkeit
sowohl  mit  Lauriacum  als  auch  mit  den  oberhalb  an  der  Donau
gelegenen  Castellen  verbinden  musste.
Letzteres  geschah  über  Marinianio  hin,  wo  sich  also
beide  Stränge  des  uferländischen  Heerweges  wieder  trafen.
Den  einen  Strang  haben  wir  bis  Alkoven  verfolgt,  dahin
zielte  auch  der  andere  von  Lentia  stromaufwärts  führende.
Aber  auf  dieser  Strecke  scheint  der  letztere  nicht  am  Stromufer ­
  selbst  gegangen  zu  sein,  sondern  hinter  dem  Kirnberg'
vorüber.  Darauf  weisen  sowohl  die  spärlichen  Funde,  als  auch
die  Existenz  eines  sehr  alten  unter  dem  Namen  ,Ochsenstrasse'

1  Occ.  c.  34.  —  Die  Funde  in  Linz  hat  J.  Gaisberger  in  der  areliäol.
Nachlese  I  (Linzer  Musealbericlite  1864,  XIS)  zusammengestellt.  —  Im
Vorübergehen  sei  bemerkt,  dass  in  der  Angabe  der  Notitia  möglicher
Weise  der  Passus  ,militum  Liburnariorum 1  ausgefallen  ist.  Die  Gründe,
welche  dies  wahrscheinlich  machen,  sind  folgende.  Von  andern  Liburnarierposten
  der  gleichen  Legion,  heisst  der  erstgenannte,  also  nach  der
geographischen  Folge  der  Aufzählung,  welche  die  Notitia  einhält,  der
oberhalb  des  andern  am  Strome  gelegene  pars  superior  (so  in  cap.  33:
Adiuvense  der  ersten  norischen  und  Carnunto  der  zehnten  Legion
[gemina]).  Die  partes  inferiores  fehlen,  nur  hei  Lentia  ist  er  ohne
Beisatz  ,liburnariorum 1  genannt.  Auf  das  Fussvolk  der  Legion  kann  diese
pars  inferior  nicht  bezogen  werden,  da  sonst  nirgends  unter  den  Besatzungen ­
  von  Noricum  und  Pannonia  prima  von  partes  superiores  die
Rede  ist.  Ferner  liegen  die  Liburnarierposten  an  grossen  Strombeugen
und  an  Ausgangspunkten  von  Schluchten  (Joviacum,  Adiuvense  bei.  Ips,
Fafiana  bei  Mautern,  vgl.  meine  Abhandlung  zur  Topographie  der  Römerorte ­
  in  Nieder-Oesterreich,  Ber.  und  Mitth.  des  Wiener  Alterthumsv.
XVII,  302  f.  Carnunto;  bei  Arraboua  vertritt  die  Schiittinsel  die  Stromschlucht). ­
  Ebenso  lag  auch  Lentia  sowohl  am  Ausgang  einer  solchen
Stromschlucht,  als  auch  an  einer  beträchtlichen  Donaubeuge.
            
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