Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

570

Kenner.

strata)  ein  Name,  der  gewöhnlich  den  Römerstrassen  beigelegt ­
  wird.  1
Lentia  selbst  wird  erst  in  der  Notitia  dignitatum  aus  dem
Ende  des  IV.  Jahrhunderts  mit  Namen  genannt,  es  ist  aber
viel  älter.  Das  Bruchstück  einer  in  der  St.  Martinskirche  am
Schlossberg  unter  dem  Altäre  gefundenen  Inschrift  nennt  einen
exbeneficiarius  procuratoris. 2  Nach  den  Votivsteinen  von
Beneficiariern  in  Cilli  reichen  die  Verleihungen  des  Beneficium
durch  die  Procuratoren  bis  ins  Jahr  166;  von  192  an  geschieht
sie  durch  Consulares,  d.  i.  durch  die  Legaten  von  Ober-  und
Unterpannonien. 3  Es  wird  mit  Recht  daraus  geschlossen,  dass
die  militärische  Stellung  der  Procuratoren  von  Noricum  mit
der  in  den  Jahrgängen  174  bis  178  verfügten  Errichtung  einer
Legion  (II  Italica)  für  Noricum  ihr  Ende  erreicht  habe  und
der  Oberbefehl  über  die  Besatzungen  des  Landes  damals  an
die  Legaten  von  Pannonien  übergegangen  sei.  Mindestens  also
gehört  jenes  Bruchstück  der  Zeit  von  174  oder  176  an.
In  der  That  war  die  natürliche  Lage  von  Lentia  exponirt,
zumal  von  der  Epoche  der  Markomannenkriege  an,  als  die
Germanen,  abgesehen  von  einzelnen  Beutezügen,  die  Hauptangriffe ­
  vom  Marclifeld  aus  mit  einer  Reihe  gleichzeitiger  Einfälle ­
  combinirten,  um  die  römische  Macht  an  vielen  Stellen  zu
beschäftigen.  Gegenüber  der  Strombeuge  bei  Linz  mündet  der
Haselgraben,  eine  vorzüglich  gelegene  Ausfallpforte  für  die
Germanen,  und  ein  zweiter  Thalweg  neben  dem  Pfennigberg.
Hier  von  den  Höhen  des  Mühlviertels  herabsteigend,  fanden  sie

1  Im  Jahre  1286  tauschte  der  Pfarrer  Heinricus  von  Linz  gegen  ein  Gut
in  Ruefling,  das  ihm  zu  entlegen  war,  ,ein  Beneficium  an  der  stainen
Brüggen  prope  civitatem  Lincensem 4  ein  (Urkundenbuch  des  Landes  ob
der  Enns,  IV,  50,  nr.  LVII).  Piliwein  verzeichnet  in  der  oben  genannten
Karte  der  Umgebung  von  Linz  eine  Steinbrückmühle  in  Kleinmiinchen
an  einem  Arme  der  Traun.  Vielleicht  sind  beide  Oertlichkeiten  identisch.
Das  Charakteristische  dieser  Namen  liegt  in  dem  Distinctivum  ,Stein 4 ,
wodurch  die  Brücke  an  jener  Stelle  vor  allen  anderen  kenntlich  gemacht
wird.  Ich  mache  auf  diese  Ortsnamen  aufmerksam,  weil  dergleichen
nicht  selten  die  Richtung  römischer  Strassen  anzeigen  und  im  hohen
Mittelalter  in  unseren  Gegenden  schwerlich  Brücken  aus  Stein  gebaut
worden  sein  dürften.
2  C.  I.  L.  III,  2,  nr.  5689.
3  Ebenda  5161—5177.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.