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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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566  Kenner.
haben,  in  Ansfelden  von  der  letzteren  ab  und  schlug'  nach  dem
Traunübergang  die  Richtung  nach  Oftering-Alkoven  ein;  nach
der  andern  Seite  lief  er  mit  der  binnenländischen  Strasse  nach
Lauriacum,  sei  es  nun  über  Ebelsberg  oder  durch  das  Thal
des  Ipfbaches.  In  beiden  Richtungen  gelangt  man  von  Lauriacum ­
  mit  12  Milien  nach  Ansfelden,  mit  weiteren  2,  also
mit  14,  zu  dem  von  uns  angenommenen  Verzweigungspunkte  der
Strassen  oberhalb  Kremsdorf,  endlich  abermals  mit  2,  also  mit
16  Milien  nach  dem  Orte  Traun  und  von  hier  mit  27  Milien
nach  Joviacum.  Der  erste  Ort  also,  der  an  dem  zweiten
Strange  der  uferländischen  Strasse  lag,  ist  16  Milien  von
Lauriacum  entfernt,  er  erscheint  in  dieser  Distanz  auch  im
Itinerar  als  erste  Station  der  Uferstrasse  und  ist  wohl  nur  aus
dem  Grunde  aufgeführt,  weil  damit  die  Stelle  der  Gabelung
der  Strassen  angedeutet  wird,  nicht  aber  weil  hier  eine  Nachtherbergestelle ­
  eingefallen  wäre,  denn  die  Entfernung  von
Lauriacum  ist  zu  gering,  um  eine  ganze  Tagreise  für  sie  aufzuwenden. ­

Es  gibt  keinen  Ort,  auf  welchen  die  drei  oben  angeführten ­
  Merkmale  sich  überhaupt  vereinigen  liessen,  als  Traun
gegenüber  der  Kremsmündung.  Bei  ihm  erklärt  sich  auch  die
Uebertragung  des  alten  Flussnamens  der  Traun  (Ovilava)  auf
den  Ort,  ja  es  besteht  noch  heute  eine  Analogie  in  dieser
Beziehung;  so  wie  der  alte  Ortsname  vom  damaligen  Flussnamen, ­
  so  ist  der  heutige  Ortsname  vom  heutigen  Flussnamen ­
  gebildet.  Die  treffliche,  Licht  verbreitende  Bemerkung
Mommsen’s  zwingt  keineswegs  zu  der  Folgerung,  dass  Ovilatus
an  der  Traunmündung  zu  suchen  sei,  etwa  aus  dem  Grunde
weil  die  Uebertragung  eines  Flussnamens  auf  einen  Ort  an
der  Mündung  des  Flusses  selbst  am  häufigsten  vorkomme  und
am  ehesten  erklärt  werden  könne.  Vielmehr  finden  wir  gerade
an  der  Traun,  an  den  wichtigsten  Stellen  ihres  Laufes  herab
und  herab  mehrere  Orte,  die  nach  ihr  benannt  sind;  fast
regelmässig  da,  wo  sie  durch  einen  See  fliesst  oder  einen  Zufluss ­
  aufnimmt.  Bei  ihrem  Eintritt  in  den  Hallstätter  See  liegt
Obertraun,  wo  sie  ihn  verlässt,  lag  ein  Ort  Traunau;  1
ebenso  treffen  wir  ein  Trau  neck  bei  Ebensee,  wo  sie  in

1  Franz  Kurz,  Friedrich  der  Schöne,  S.  444,  446.  Lamprecht,  Matrikel,  S.  82.
            
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