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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

562  Kenner.
auf  das  Vorhandensein  einer  kleineren  römischen  Ansiedlung
oder  einer  Strasse  schliessen.
Es  kann  hier  noch  beigefügt  werden,  dass  der  Ort  Traun
gegenüber  der  Kremsmündung  eben  so  alt,  wie  Ansfelden  ist;
auch  er  wird  im  VII.  Jahrhundert  erwähnt.  1
Auf  der  andern  Seite  der  Traun  hat  der  Ort  Hörsching
in  mehreren  Beziehungen  eine  Aehnlichkeit  mit  Ansfelden.
Zunächst  in  der  Lage.  Am  linken  Flussufer  zieht  sich,
wie  am  rechten,  eine  Hügelreihe  bis  zum  Schlossberge  von
Linz,  sie  tritt  aber  nicht  so  nahe  an  den  Fluss  vor,  wie  am
rechten;  vielmehr  ist  zwischen  beiden  eine  breite  Terrasse
gelagert,  deren  untere  Stufe  nahe  am  Rinnsal  der  Traun,
durchschnittlich  zehn  Meter  über  die  Sohle  der  Ebene  erhöht
ist  und  bald  näher  gegen  den  Fluss  vorspringt,  bald  sich  von
diesem  entfernt.  Ueber  ihr  baut  sich  weiter  vom  Flusse  weg
eine  zweite,  fast  ebenso  hohe  Stufe  auf, 2  an  deren  Rand,  bei
Hörschiug,  ein  kleiner  isolirter  Hügel  sich  heraushebt;  er  ist
sechs  Meter  höher  als  die  Umgebung, 3  so  dass  man  diese  bei
ihrem  ebenen  Charakter  von  ihm  aus  zu  überschauen  vermag.
Hinter  Hörsching  gegen  Westen  und  Norden  endlich  steigt  die
Terrasse  in  kurzem  Zwischenraum  zum  Hochrande  der  Traunebene, ­
  d.  i.  zur  schon  genannten  Bergreihe  auf.
Jener  isolirte  Hügel  bei  Hörsching  liegt  nun  in  der  Mitte
der  Weiserhaide,  diese  nach  ihrer  Längenaxe  gedacht,  und  an
einer  ihrer  schmälsten  Stellen,  zugleich  am  Rand  der  Terrasse
gegen  die  Traun  zu,  er  ist  der  relativ  höchste  Punkt  der  Haide
und  im  Rücken  durch  den  Hochrand  gedeckt.  In  zweifacher
Hinsicht  Hessen  sich  die  Vortheile  einer  solchen  Lage  ausnützen, ­
  erstlich  für  Ovilava,  dann  für  den  Traunübergang;  für
jenes  sperrte  ein  hier  errichtetes  Castell,  wie  ein  in  die  Haide
vorgeschobenes  Vorwerk  der  Colonie,  den  Zugang  zu  ihr;
bezüglich  des  letzteren,  des  Traunüberganges,  correspondirte
es  mit  dem  hochgelegenen  Römerorte  Ansfelden;  es  liegt  mit

1  Urkundenbuch  des  Landes  ob  der  Enns  I,  437,  vgl.  198,  535.  —  FÖrstemann,
  Altdeutsches  Namenbuch  II,  477  f.
2  Nach  den  Barometerhöhen  der  Specialkarte  liegt  Ort  Traun  273,  Neubau
auf  der  unteren  Stufe  284,  Hörsching  auf  der  oberen  293  Meter  hoch.
3  Ebenda;  der  Hügel  hat  299  Meter.
            
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