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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  RÖraerorte  zwischen  der  Traun  und  dem  Inn.

559

Es  kann  natürlich  nur  durch  eine  mehr  oder  weniger
wahrscheinliche  Conjectur  geschehen,  wenn  man  versucht,  den
ausgefallenen  Namen  des  Römerortes  bei  Ansfelden  zu  restituiren.
Als  eine  solche  möge  mir  gestattet  sein  folgende  Ansicht  auszusprechen. ­
  Wie  eine  grössere  Anzahl  von  Beispielen  namentlich ­
  in  der  Tabula  lehrt,  hat  man  Orte  an  den  Mündungen
von  Flüssen  nach  dem  Namen  der  letzteren  benannt;  schon
vor  Ankunft  der  Römer  bestanden  solche  Ortsnamen  und  wurden
von  ihnen  beibehalten.  So  Piro  torto  von  der  vielfach  gewundenen
Perschling,  Trigisamo  von  der  Traisen,  Arlape  von  der  Erlaph,
Ad  ponte  Ises  von  der  Ips,  Ambre  von  der  Amber  u.  m.  a.
Für  unseren  Ort  werden  wir  am  wahrscheinlichsten  einen  Namen
vermuthen  dürfen,  der  nach  dem  alten  Namen  der  Krems
gebildet  war,  an  deren  Mündung  Ansfelden  liegt.
Wie  er  gelautet  hat,  dafür  scheint  mir  ein  Anzeicheri  in
den  älteren  Formen  des  Ortsnamens:  Alpunesvelt,  Albinisuelth,
Almisuelt,  Almsveit  (siehe  oben  S.  557)  zu  liegen.  Sie  bestehen
aus  zwei  Theilen,  der  zweite  germanische  (Feld)  bezeichnet  die
kleine  Uferebene,  zu  welcher  sich  der  Uferrand  an  jener  Stelle
erweitert,  wo  die  Krems  aus  ihrem  Thalwege  heraustritt.  Der
erste  Tlieil  wird  daher  auf  den  alten  Flussnamen  selbst  bezogen ­
  werden  müssen,  der  im  VII.  Jahrhundert  noch  sehr
wohl,  erhalten  sein  konnte  und  in  dem  Ortsnamen  auch  fortan
erhalten  blieb,  wenn  gleich  der  Flussname  späterhin  germanisirt
  wurde.
Flussnamen,  deren  Stamm  das  Wort  alp-us,  albus  ist,
sind  bei  Italikern,  Kelten  und  Germanen  nicht  selten.  Die
Tiber  hiess  mit  dem  alten  Namen  bekanntlich  Albula,  wie
Festus  sagt,  ab  albo  aquae  colore. 1  Ein  anderer  Fluss  dieses
Namens  lag  in  Picenum.  In  Spanien  gab  es  zwischen  Blunda
und  Emporium  einen  Fluss  Alba. 2  Die  daraus  abgeleitete

richtig  wie  wir  sehen  werden.  Aber  auch  er  sieht  in  Ovilatus  den  ausgebliebenen
  Zwischenort  der  Tabula  und  bezieht  überdies  die  Meilenzahl
XIIII  derselben  auf  die  Entfernung  des  Zwischenortes  von  Blaboriciaco,
hält  dagegen  die  Distanzzitter  zwischen  diesem  und  Ovilia  für  ausgefallen.
1  Festus  s.  v.  Paul.  p.  4.  Fabretti  Glossar,  s.  v.  —  Grimm,  Wörterbuch ­
  I,  201.
2  Plinius  III,  3,  4.
            
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