556
K e 11 n e r.
die für unsere Frage in Betracht kommen, sehr wohl als ihre
Mündung betrachten.
In römischer Zeit, als die gesammte Traunebene zunächst
der Reichsgrenze lag, hatte das Kremsthal eine grössere Wichtigkeit
als heute, indem es tief gegen Südwesten in das Hügelland
einschneidet und über Kremsmünster und Kirchdorf in
das Steierthal leitet. Mit diesem hängt unmittelbar der Gebirgsübergang
über den Pirn ins norische Binnenland zusammen.
Es stellt also das Kremsthal im Anschlüsse an die gegen die
Reichsgrenze offene Traunebene einen von der Natur selbst
geschaffenen Zugang ins Innere des römischen Reiches dar.
So vereinigten sich an dieser Stelle zwei Motive für die
Anlage eines kleineren Castelles, die Mündung eines Flusses
und ein Zugang zur Pirn- und Tauernstrasse. Die Römer
haben sich in den Grenzländern aus naheliegenden Gründen
derartige Punkte immer gesichert. Daher dürfen wir an der
Kremsmündung nicht blos einen offenen Ort, wie er etwa in
Folge des Verkehres entstanden wäre, sondern einen befestigten
voraussetzen. Noch eine andere Erwägung verlangt einen
solchen gerade an dieser Stelle. Die Kremsmündung ist 14 Milien
von Wels entfernt, also gerade so weit als nach der Tabula
Ovilia und der ungenannte Zwischenort von einander abstanden.
Bei letzterem verzeichnet sie nun die Abzweigung der Strasse
nach Marinianio, die an das Donauufer führte und die binnenländische
mit dev uferländischen verband. Die Verbindungsstrasse
musste also in der Umgebung der Kremsmündung die
Traun übersetzen; der Uebergang selbst, mag er nun mittelst
einer stabilen Brücke oder einer Fähre geschehen sein, musste
beschützt werden.
Der am meisten geeignete Platz für ein Castell, welches
die dreifache Aufgabe, die Bewachung der Kremsmündung,
des Eintritts in deren Thalweg und des Traunüberganges zu
erfüllen hatte, war in Ansfelden selbst. Am Berghauge aufsteigend
und durch ihn im Rücken gesichert, liegt es gerade
über der Mündung der Krems, nahe am Eingänge des Kremsthaies,
24 Meter über dem Traunspiegel 1 und beherrscht die
1 Die Specialkarte (1 : 75.000) Zone XIII, Columue X gibt für den Trauufluss
(Sclilögelau) 205, für Ansfelden 289 Meter (Barometerhöhe) au.