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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roraau.  Welt  und  ihr  Verhältniss  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  537

noch  lange  mit  dieser  Ausgabe  zu  kämpfen  hatten.  Es  stand
diese  Maassregel  nicht  vereinzelt  da.  Die  Anzahl  der  verkäuflichen ­
  (geistlichen)  Aemter  nahm  in  Rom  in  erschreckender
Weise  zu.  Die  referendarii  waren  durch  keine  Zahl  beschränkt,
die  der  sollicitatores  stieg  auf  101,  eben  so  hoch  die  der
magistri  archivi,  die  der  scriptores  supplicationum  auf  8,  der
scriptores  registri  auf  12,  der  scriptores  apostolici  auf  101,  der
collectores  plumbi  auf  104.  So  noch  eine  Masse  Anderer.  Sich
unter  Papst  Leo  X.  ein  Amt  zu  kaufen,  galt  als  die  beste
Capitalsanlage.  Das  Schlimmste  aber  war,  dass  diejenigen,
welche  so  ihr  Capital  angelegt  hatten,  dadurch  auch  ein  Recht
gewonnen  zu  haben  glaubten,  die  Früchte  desselben  zu  ernten
und  jedem  neuen  Papste,  der  etwa  die  Curie  zu  reformiren
gedachte,  ihren  Schein  vorzulegen  im  Stande  waren,  dem
zufolge  ihre  Interessen  berücksichtigt  werden  sollten.  Der  Papst
befand  sich  dann  ihnen  gegenüber  mit  gebundenen  Händen.
Leo  X.  bedurfte  und  wünschte  Frieden.  Er  sandte  Cardinallegaten ­
  an  den  Kaiser,  an  die  Könige  von  Frankreich
und  Spanien,  sie  zum  Frieden,  zum  Bündnisse  gegen  die  Osmanen
  zu  bewegen,  als  der  Tod  Maximilians  12.  Jänner  1519
und  bald  nachher  Lorenzos  von  Medici,  4.  Mai, 1  die  Wahl
des  K.  Karl  zum  römischen  Könige  (29.  Juni)  die  Lage  der
Dinge  von  Grund  aus  veränderten.  Der  Tod  Sultan  Selims,
die  Thronbesteigung  des  kriegerischen  Padischah  Soliman,
Karls  Königskrönung  zu  Aachen  fanden  fast  an  demselben
Tage  (1520)  statt.  Leo’s  eigener  Neffe,  Lorenzo,  hatte  sich
auf  die  Seite  der  Franzosen  gestellt.  Seine  Mutter  Alfonsina
Orsini  galt  als  die  Urheberin  des  Krieges  mit  Urbino. 2  Als
erst  Maddalena,  Schwester  Leo’s  X.  und  Gemahlin  des  Franceschetto
  Gibö,  dann  (7.  Februar  1520)  Alfonsina  starben,
wurde  selbst  von  den  grössten  Anhängern  des  mediceischen
Hauses  hervorgehoben,  wie  sehr  ihr  Einfluss  dem  Papst  geschadet. ­
 3  Er  war  in  Rom  nicht  mehr  sicher  und  zählte  seine
ärgsten  Feinde  im  Cardinalscollegium.  Er  liess  den  Cardinal
Alfonso  Petrucci,  später  den  Paolo  Baglioni  in  Perugia  hinrichten, ­
  mehrere  Gardinäle  exiliren,  dann  wurde  in  Rom  Ruhe
!  Del  mal  franzess.  Panvinio.  Vergl.  Reumont,  Gesell.  Toscanas,  I,  S.  15.
2  Ammirato  II,  p.  321.
3  1.  c.  p.  336.
            
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