Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

536

Hö  fle  r.

Es  gährte  seit  dem  Concil  auch  in  Italien,  als  Hoffnungen
rege  gemacht  worden  waren,  die  nicht  in  Erfüllung  gingen
und  jenes  selbst  dem  Loche  glich,  das  der  Stein  bereitet,  der
in  das  Wasser  geschleudert  wurde.  Rasch  spritzt  die  Woge
auf,  während  der  Stein  in  der  Tiefe  versinkt.  Es  bilden  sich
Ringe,  je  grösser  sie  werden,  desto  glatter  wird  die  Oberfläche. ­
  Bald  rauschen  die  Wasser  wie  früher  und  es  ist,  als
wäre  nichts  vorgegangen.
Mit  Recht  muss  man  es  beklagen,  dass  auch  jetzt  wieder
die  unheilvollen  italienischen  Kriege  bewirkten,  dass  die  allgemeinen ­
  Angelegenheiten  den  italienischen  zu  Liebe  hintangesetzt ­
  wurden,  das  Bestreben,  unter  den  italienischen  Staaten
ein  Gleichgewicht  der  Gewalten,  den  Mediceern  aber  eine
volle  Sicherheit  für  die  Zukunft  zu  schaffen,  die  Reformideen
verdrängten.  Da  K.  Ludwig  XII.  von  Frankreich  1515,
K.  Ferdinand  von  Aragon  und  Sicilien  1516  starben,  Neapel
in  den  Kreis  politischer  Speculationen  ebenso  hineingezogen
wurde  als  Urbino,  das  dem  Herzoge  Francesco  Maria  della
Rovere  abgenommen  werden  sollte,  um  es  dem  Neffen  Leo’s,
Lorenzo  von  Urbino,  zu  verschaffen,  häuften  sich  die  Complicationen
  noch  mehr.  Schon  1517  erkannte  Leo  das  Bedürfniss,
  seine  eigene  Stellung  in  Rom  zu  befestigen,  und
dieses  war  es,  was  ihn,  wie  Ammirato  die  Sache  darstellt, 1
bewog,  im  Jahre  1517  die  grosse  Cardinaispromotion  vorzunehmen, ­
  welche  allein  sechs  Florentinern  unter  einunddreissig
ernannten  den  rothen  Hut  verschaffte.  Bei  dieser  Gelegenheit
ward  auch  dem  Manne  des  unbedingten  Vertrauens  K.  Karls  I.
von  Spanien  (Maximilians  siebenzehnjährigen  Enkel’s),  dem
Bischöfe  von  Tortosa,  Adrian  von  Utrecht,  seiner  hervorragenden ­
  Verdienste  wegen  die  hohe  Würde  zu  Theil.  Die  massenhafte ­
  Promotion  hatte  aber  noch  eine  andere  Bedeutung.  Der
Krieg  um  Italien  verschlang  so  grosse  Summen,  dass  Leo  X.
daran  denken  musste,  die  ohnehin  durch  die  kostspielige  Hofhaltung, ­
  die  Begünstigung  von  Gelehrten,  Künstlern,  Musikern,
Dichtern  erschöpfte  päpstliche  Casse  wieder  zu  füllen.  Es  war
kein  Geheimniss,  dass  ein  Theil  der  Cardinäle  für  die  erlangte
Würde  hohe  Summen  bezahlen  musste,  mehrere  von  ihnen

1  L.  XXIX  (II,  331).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.