Die roraan. Welt und ihr Verhältniss zu den Refonnideen des Mittelalters.
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hatte Musiker, Maler, Bildhauer und Gelehrte an Bord, als es
mit aller Gewalt auf Klippen auffuhr, die plötzlich aus dem
Wasserspiegel emporstiegen. Fehlte es doch in der nächsten
Nähe nicht an unheimlichen Vorgängen. Während das lateranische
Concil die Grundzüge der Reform der Sitten wie des
Unterrichtes, der Curie, der Cardinäle, des Clerus überhaupt
legte und den Predigern einschärfte, die evangelische
Wahrheit und die heilige Schrift nach der Erklärung und
Auslegung der Kirchenlehrer zu predigen und zu erklären und
nicht Widerstrebendes oder Entgegengesetztes nach eigenem
Gutdünken hinzuzufügen, nicht die Ankunft des Antichrists
oder den Tag des jüngsten Gerichtes in zuversichtlichen Behauptungen
bestimmen zu wollen, hatte Fra Bonaventura,
welcher unter den römischen Predigern das grösste Ansehen
behauptete, die Grenzen des Erlaubten längst überschritten.
Er war im ersten Jahre des Pontificates Leos X. nach Rom
gekommen, hatte sich durch seine Predigten ein Ansehen erworben
, dass er endlich über einen Anhang von 20.000
Menschen verfügte, die ihn als Stellvertreter Christi ansahen
und von denen er sich die Füsse küssen liess. Er hatte sich
nach Venedig gewendet, in einer eigenen Schrift auseinandergesetzt,
dass er zum Heile der Seelen gegen die römische
Hure berufen sei, Papst, Cardinäle und alle Prälaten ewiger
Verdammniss verfielen, er aber den (wahren) römischen Kaiser
taufen und das Imperium der Kirche auf die Kirche von Sion
übertragen werde. Als den neuen Kaiser bezeichnete er aber
Niemand anderen als — den König von Frankreich. Er wurde
in die Engelsburg gebracht, nachdem der Doge von Venedig
den an ihn gesandten Brief nach Rom zurückgeschickt hatte,
der dann zur Anklage gegen ihn diente. Wahrscheinlich
standen die von dem Concil ausgegangenen Erlasse gegen unbefugtes
Predigen in Zusammenhang mit dem Auftreten des
Fra Bonaventura, wie dieser selbst mit jenen sonderbaren
Auswüchsen der Anhänger Savonarola’s, über welche die
Biographen desselben hinwegzugleiten pflegen, die aber hinlänglich
zeigen, wie wenig auf dem Grund mystischer Schwärmerei
eine Reform der Kirche wirklich stattfinden konnte. 1
1 Ausführlich behandelt bei Höfler, Analekten S. 31.