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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roraan.  Welt  und  ihr  Verhältniss  zu  den  Refonnideen  des  Mittelalters.

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hatte  Musiker,  Maler,  Bildhauer  und  Gelehrte  an  Bord,  als  es
mit  aller  Gewalt  auf  Klippen  auffuhr,  die  plötzlich  aus  dem
Wasserspiegel  emporstiegen.  Fehlte  es  doch  in  der  nächsten
Nähe  nicht  an  unheimlichen  Vorgängen.  Während  das  lateranische
  Concil  die  Grundzüge  der  Reform  der  Sitten  wie  des
Unterrichtes,  der  Curie,  der  Cardinäle,  des  Clerus  überhaupt
legte  und  den  Predigern  einschärfte,  die  evangelische
Wahrheit  und  die  heilige  Schrift  nach  der  Erklärung  und
Auslegung  der  Kirchenlehrer  zu  predigen  und  zu  erklären  und
nicht  Widerstrebendes  oder  Entgegengesetztes  nach  eigenem
Gutdünken  hinzuzufügen,  nicht  die  Ankunft  des  Antichrists
oder  den  Tag  des  jüngsten  Gerichtes  in  zuversichtlichen  Behauptungen ­
  bestimmen  zu  wollen,  hatte  Fra  Bonaventura,
welcher  unter  den  römischen  Predigern  das  grösste  Ansehen
behauptete,  die  Grenzen  des  Erlaubten  längst  überschritten.
Er  war  im  ersten  Jahre  des  Pontificates  Leos  X.  nach  Rom
gekommen,  hatte  sich  durch  seine  Predigten  ein  Ansehen  erworben ­
  ,  dass  er  endlich  über  einen  Anhang  von  20.000
Menschen  verfügte,  die  ihn  als  Stellvertreter  Christi  ansahen
und  von  denen  er  sich  die  Füsse  küssen  liess.  Er  hatte  sich
nach  Venedig  gewendet,  in  einer  eigenen  Schrift  auseinandergesetzt, ­
  dass  er  zum  Heile  der  Seelen  gegen  die  römische
Hure  berufen  sei,  Papst,  Cardinäle  und  alle  Prälaten  ewiger
Verdammniss  verfielen,  er  aber  den  (wahren)  römischen  Kaiser
taufen  und  das  Imperium  der  Kirche  auf  die  Kirche  von  Sion
übertragen  werde.  Als  den  neuen  Kaiser  bezeichnete  er  aber
Niemand  anderen  als  —  den  König  von  Frankreich.  Er  wurde
in  die  Engelsburg  gebracht,  nachdem  der  Doge  von  Venedig
den  an  ihn  gesandten  Brief  nach  Rom  zurückgeschickt  hatte,
der  dann  zur  Anklage  gegen  ihn  diente.  Wahrscheinlich
standen  die  von  dem  Concil  ausgegangenen  Erlasse  gegen  unbefugtes ­
  Predigen  in  Zusammenhang  mit  dem  Auftreten  des
Fra  Bonaventura,  wie  dieser  selbst  mit  jenen  sonderbaren
Auswüchsen  der  Anhänger  Savonarola’s,  über  welche  die
Biographen  desselben  hinwegzugleiten  pflegen,  die  aber  hinlänglich ­
  zeigen,  wie  wenig  auf  dem  Grund  mystischer  Schwärmerei ­
  eine  Reform  der  Kirche  wirklich  stattfinden  konnte. 1

1  Ausführlich  behandelt  bei  Höfler,  Analekten  S.  31.
            
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