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Krone und Reich daran setzte, Mailand zu gewinnen; des
Kaisers, der Alles aufbot, die französische Herrschaft in Italien
nicht aufkommen zu lassen; der Venetianer und des Papstes,
welche französisch gesinnt waren, um sich des kaiserlichen
Uebergewichtes zu erwehren, und dann, um sich gegen Frankreichs
Uebermacht zu wehren, sich nöthigenfalls auf den Kaiser
zu stützen suchten, zu einem unentwirrbaren Knäuel. Schon
um die Herrschaft seines Geschlechtes in Florenz zu sichern,
wo der Zug Karls VIII. die mediceische Macht gebrochen
hatte, fühlte sich Leo X. berufen, den thätigsten Antheil an
den italienischen Dingen zu nehmen, welchen er sich ohnehin
als Herr Mittelitaliens nicht zu entziehen vennochte. Kein
Gelehrter, aber sehr unterrichtet und mit einem ungewöhnlichen
Gedächtnisse begabt, persönlich wohlwollend und zum
Wohlthun geneigt, erlangte er aber mit Recht unvergänglichen
Ruhm, als er den vaticanischen Palast mit jenen herrlichen
Bildern schmücken liess, in welchen Rafael Sanzio von Urbino
sein Genie als Maler wie als Dichter in gleich erhabener
Weise dargethan hat. Seit ihm ward der Vatican das Ziel
aller Pilger, welche sich am Anblicke der grossartigsten
Schöpfungen des menschlichen Kunstsinnes zu erfreuen gedenken,
ein nicht auszuschöpfender Born geistiger Genüsse,
in dem jeder von all’ den Tausenden und abermal Tausenden,
die bereits drei Jahrhunderte hindurch Jahr für Jahr
dahin gehen, Erhabeneres fand, als er gedacht, jeder in dem
Maasse reicher von dannen zog, als er gekommen war, in
welchem er selbst die Empfänglichkeit für das ewig Schöne
mitbrachte und sich mit den Gedanken der grössten Künstler
zu identificiren vermochte. Huldigte Leo auch zu sehr den
Freuden des Mahles, er war kein Schlemmer, und wir wissen
genau, an welchen Wochentagen er fastete. Pflegte er zu sehr
der fürstlichen Gewohnheit der Jagd, liebte er vielleicht zu
sehr die Musik; es war kein Verbrechen, inmitten einer Welt
voll Disharmonie, sich an der Harmonie der Töne zu ergötzen.
Es ging von ihm, dem Florentiner, dem Mediceer, ein Geist
der Milde aus; man fühlte sich in Rom behaglich, freute
sich des Genusses und der geistigen Arbeit, die sich ebenso
mit platonischer Philosophie als mit derber Sinnlichkeit vertrug.
Das Schifflein Petri war mit Rosen geschmückt und