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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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HSflet.

Krone  und  Reich  daran  setzte,  Mailand  zu  gewinnen;  des
Kaisers,  der  Alles  aufbot,  die  französische  Herrschaft  in  Italien
nicht  aufkommen  zu  lassen;  der  Venetianer  und  des  Papstes,
welche  französisch  gesinnt  waren,  um  sich  des  kaiserlichen
Uebergewichtes  zu  erwehren,  und  dann,  um  sich  gegen  Frankreichs ­
  Uebermacht  zu  wehren,  sich  nöthigenfalls  auf  den  Kaiser
zu  stützen  suchten,  zu  einem  unentwirrbaren  Knäuel.  Schon
um  die  Herrschaft  seines  Geschlechtes  in  Florenz  zu  sichern,
wo  der  Zug  Karls  VIII.  die  mediceische  Macht  gebrochen
hatte,  fühlte  sich  Leo  X.  berufen,  den  thätigsten  Antheil  an
den  italienischen  Dingen  zu  nehmen,  welchen  er  sich  ohnehin
als  Herr  Mittelitaliens  nicht  zu  entziehen  vennochte.  Kein
Gelehrter,  aber  sehr  unterrichtet  und  mit  einem  ungewöhnlichen ­
  Gedächtnisse  begabt,  persönlich  wohlwollend  und  zum
Wohlthun  geneigt,  erlangte  er  aber  mit  Recht  unvergänglichen
Ruhm,  als  er  den  vaticanischen  Palast  mit  jenen  herrlichen
Bildern  schmücken  liess,  in  welchen  Rafael  Sanzio  von  Urbino
sein  Genie  als  Maler  wie  als  Dichter  in  gleich  erhabener
Weise  dargethan  hat.  Seit  ihm  ward  der  Vatican  das  Ziel
aller  Pilger,  welche  sich  am  Anblicke  der  grossartigsten
Schöpfungen  des  menschlichen  Kunstsinnes  zu  erfreuen  gedenken, ­
  ein  nicht  auszuschöpfender  Born  geistiger  Genüsse,
in  dem  jeder  von  all’  den  Tausenden  und  abermal  Tausenden, ­
  die  bereits  drei  Jahrhunderte  hindurch  Jahr  für  Jahr
dahin  gehen,  Erhabeneres  fand,  als  er  gedacht,  jeder  in  dem
Maasse  reicher  von  dannen  zog,  als  er  gekommen  war,  in
welchem  er  selbst  die  Empfänglichkeit  für  das  ewig  Schöne
mitbrachte  und  sich  mit  den  Gedanken  der  grössten  Künstler ­
  zu  identificiren  vermochte.  Huldigte  Leo  auch  zu  sehr  den
Freuden  des  Mahles,  er  war  kein  Schlemmer,  und  wir  wissen
genau,  an  welchen  Wochentagen  er  fastete.  Pflegte  er  zu  sehr
der  fürstlichen  Gewohnheit  der  Jagd,  liebte  er  vielleicht  zu
sehr  die  Musik;  es  war  kein  Verbrechen,  inmitten  einer  Welt
voll  Disharmonie,  sich  an  der  Harmonie  der  Töne  zu  ergötzen.
Es  ging  von  ihm,  dem  Florentiner,  dem  Mediceer,  ein  Geist
der  Milde  aus;  man  fühlte  sich  in  Rom  behaglich,  freute
sich  des  Genusses  und  der  geistigen  Arbeit,  die  sich  ebenso
mit  platonischer  Philosophie  als  mit  derber  Sinnlichkeit  vertrug. ­
  Das  Schifflein  Petri  war  mit  Rosen  geschmückt  und
            
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