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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roman.  Welt  und  ihr  Yerliältaiss  zu  den  Reformideen  des  Mittelaltere.  529
der  Cardinal  von  York,  Wolsey,  drang  in  den  Papst,  den  allerchristlichsten
  König-  zu  bannen, 1  und  wurde  die  nur  zu  begründete ­
  Besorgniss  ausgesprochen,  K.  Franz  möchte  die
deutsche  Häresie  begünstigen  und  die  kirchliche  Ordnung  in
seinem  Reiche  Umstürzen. 2  Er  sei  der  wahre  Türke  und  der
Kampf  gegen  die  Osmanen  müsse  durch  den  allgemeinen  Krieg
gegen  Frankreich  eröffnet  werden.
Man  kann  aber  das  Bild  der  romanischen  Reform  nicht
vollenden,  ohne  der  grossen  Thätigkeit  eines  Mannes  zu  gedenken, ­
  der  als  Reformator  wie  als  Staatsmann,  als  Erzbischof
wie  als  Mönch,  als  Priester  wie  als  Förderer  der  Wissenschaft
Ruhm  und  Ansehen  wie  kein  zweiter  errang,  und  dem,  um
seiner  Zeit  eine  entscheidende  Wendung  zu  geben,  nur  das
Eine  fehlte,  statt  Primas  von  Spanien  Papst  zu  werden.  Der
Franciskaner-Ordensbruder  Franz  Jimenes  de  Cisneros  (geb.
1436  zu  Torrelaguna)  hatte  mit  der  Reform  seines  Ordens  begonnen, ­
  welche  er  mit  der  Strenge  durchführte,  die  er  gegen
sich  selbst  geübt  hatte.  Er  wurde  nach  dem  Tode  des  Cardinais ­
  Mendoza,  als  K.  Ferdinand  den  Primatialsitz  Castiliens
seinem  natürlichen  Sohne  Don  Alfonso  von  Aragon  —  Administrator ­
  des  Erzbistkums  von  Saragossa,  übergeben  wollte,
1498  durch  den  Einfluss  der  Königin  Isabella  Erzbischof  von
Toledo  (später  Cardinal  und  Generalinquisitor)  und  wandte
sich  nun  sogleich  der  Bekehrung  der  Mauren  zu,  die  auf  die
Unterwerfung  von  Granada  erfolgte.  Er  begründete  die  Universität ­
  Alcalk,  um  dem  unter  dem  castilianisc-hen  Adel  rege
gewordenen  Drange  nach  classischer  Bildung  eine  feste  Stätte,
den  Spaniern  einen  geistigen  Mittelpunkt  zu  geben.  Ihr  vorzüglichstes ­
  Werk  war  die  Herausgabe  der  Complutenser  Polyglotte, ­
  um  die  Bücher  des  alten  und  neuen  Testamentes
im  Urtext  wie  in  Uebersetzung  dem  Studium  zugänglich  zu
machen,  nachdem  schon  1487  eine  Bibelübersetzung  (von  dem
Bruder  des  hl.  Vincenz  Ferrer)  in  Valencia  gedruckt  worden
war.  Jimenes  führte  die  begonnene  Reform  der  Franciskaner
trotz  des  Widerstrebens  des  Ordensministers  durch  und  drang
bei  dem  Weltclerus  nicht  minder  auf  Zucht  und  Ordnung.  Die

1  Brewer  n.  2766  (10.  Jänner  1523).
2  Lannoy  an  den  Kaiser  (15.  Juli  1523)  bei  de  Leva.
            
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