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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  roroan.  Welt  und  ihr  Verhältnis  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  525

Lastern  des  Clerus  gesteuert  werde.  Die  Synode  dürfe,  um
nicht  lächerlich  zu  werden,  es  nicht  bei  dem  blossen  Worte
bewenden  lassen. 1
Man  konnte  ihr  nicht  nachsagen,  dass  sie  nicht,  was
zum  Heile  diente,  auf  das  Ernsteste  erwogen  und  wenn  die
Welt  noch  durch  Synodalbeschlüsse  in  Ordnung  gebracht
werden  konnte,  sie  nicht  das  Ihrige  in  vollem  Maasse  gethan
hätte.  Die  Anzahl  der  Fürsten,  welche  sich  dem  Concil  unterwarfen, ­
  wurde  zusehends  immer  grösser  5  der  Charakter  der
Oecumenicität  trat  dadurch  immer  stärker  hervor.  Es  war  noch
1515,  dass  die  Unterwerfung  des  Herzogs  Karl  von  Savoyen 2
angenommen  wurde,  wie  die  des  Patriarchen  der  Maroniten. 3
Während  aber  das  Concil  im  besten  Gange  war,  erfolgten  in
Frankreich  wie  in  Italien  Veränderungen,  die  auf  den  Gang
desselben  einen  nachhaltigen  Einfluss  ausübten.  Der  Tod  K.  Ludwigs ­
  XII.  in  dem  Augenblicke,  in  welchem  ihm  Papst  Leo  X.  und
die  Venetianer  die  Hand  boten  zu  einem  neuen  Einfalle  in  Italien
(1.  Jänner  1515),  '  die  Thronbesteigung  seines  Schwiegersohnes
Franz  I.  und  dessen  Einfall  in  Italien,  der  Sieg  der  Franzosen
bei  Marignano  (12.,  13.  September  1515),  die  Eroberung  Mailands ­
  durch  dieselben,  endlich  die  Zusammenkunft  des  siegreichen ­
  Königs  mit  dem  Papste  zu  Bologna  und  ihr  gegenseitiges ­
  Einverständniss  in  Betreff  der  wichtigsten  politischen
und  kirchlichen  Fragen.  Es  war  von  minderer  Bedeutung,
dass  der  Papst  dem  Herzoge  von  Ferrara  die  Restitution  von

1  Wenn  man  (siehe  Kolde  S.  12,  Note)  meint,  man  dürfe  kaum  annehmen, ­
  dass  der  Propst  zum  Concil  nach  Rom  gegangen  sei,  um  dort
eine  Predigt  zu  halten,  so  belehren  uns  die  Acten  des  Concils,  dass  bei
jeder  Sitzung  derartige  sermones  gehalten  wurden,  in  welchen  die  Redner
ihre  Wünsche  und  Anschauungen  über  das-  Concil  auseinandersetzten.
Ganz  richtig  ist  auch  und  an  dem  Beispiele  Luther’s  (1.  c.)  selbst  zu
bemessen,  dass  die  Deutschen  an  den  vaticanischen  Erklärungen  über
die  Vollmacht  des  Papstes  keine  Ursache  zu  Opposition  fanden  und
Friedrichs  Behauptung,  für  die  deutsche  Nation  stand  es  fest,  dass  das
Concil  über  dem  Papst  stehe,  durchaus  nicht  so  unbedingt  anzunehmen
sei.  Siehe  Kolde  S.  7,  n.  1.
2  Turin,  4.  Mai  1515.
3  14.  Februar  1515.
4  Qurita  X,  c.  91.
            
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