Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

524

H  öfler.

die  eine,  zehnte,  am  4.  Mai  1515,  die  eilfte  am  19.  December
1516,  die  zwölfte  und  letzte  am  16.  März  1517,  worauf  sie
im  verhängnissvollsten  Jahre  der  deutschen  Geschichte  und
der  Kirche  überhaupt  am  17.  März  1517  geschlossen  wurde.
Es  war  ganz  natürlich,  dass  die  deutsche  Nation  anfänglich ­
  keinen  Antheil  an  dem  Concil  nahm,  da  Papst  Julius  II.
sich  in  ein  feindliches  Verhältniss  zu  K.  Maximilian  gesetzt
hatte,  dieser  wiederholt  in  Schriften  klagte,  dass  der  Papst
sich  Städte  und  Herrschaften  Italiens  bemächtige,  die  dem
heiligen  römischen  Reiche  gehörten.  So  lange  ferner  Maximilian ­
  mit  K.  Ludwig  verbunden  war,  dieser  als  Herzog  von
Mailand  wenn  auch  nicht  als  König  von  Frankreich  Maximilians ­
  Romfahrt  zu  unterstützen  sich  bereit  erklärte,  endlich
der  Kaiser  selbst  Papst  zu  werden  hoffte,  das  Concil  aber  seine
Sitzungen  in  grossen  Pausen  hielt  und  von  einem  Jahre  sich
zum  andern  schleppte,  war  eine  besondere  Betheiligung  der
deutschen  Nation  wieder  nicht  zu  erwarten.  Die  letztere,  in
ihren  unseligen  inneren  Streitigkeiten  befangen,  bereits  von
Bauernaufständen  beunruhigt  und  einer  Massenerhebung,  wie
allgemein  besorgt  ward,  entgegensehend,  jetzt  auch  noch,  was
die  hervorragenden  Geister  betraf,  durch  den  Streit  der  Humanisten ­
  und  Scholastiker  nach  einer  ganz  anderen  Seite  hin
aufgeregt,  hatte  längst  den  Sinn  für  allgemeine  Interessen  verloren. ­
  Man  kann  sagen,  so  viel  auch  von  deutscher  Ehre  und
Würde  deutscher  Nation  in  jenen  Tagen  geschwätzt  und  geschrieben ­
  wurde,  es  gab  wohl  nur  einen  einzigen  Mann,  der
es  ernst  und  redlich  mit  dem  deutschen  Reiche  meinte  und
das  war  der  erwählte  römische  Kaiser,  der  Rufer  in  der  Wüste,
wenn  es  sich  wirklich  darum  handelte,  für  das  Reich,  dessen
Ehre,  Wohlfahrt  und  Erhaltung  gegen  das  Ausland  einzutreten
und  nötigenfalls  selbst  auch  das  Leben  nicht  zu  schonen.
Seit  er  sich  für  das  Concil  erklärte,  nahm  allmälig  auch  die
Betheiligung  der  Fürsten  daran  zu.  Allmälig  drang  der  Sinn
auch  tiefer  und  es  ist  eine  wenig  bekannte  Thatsache,  dass,
als  der  Propst  von  Leitzkau  zum  Concil  sich  begab,  er  von
dem  Augustinermönche  Dr.  Martin  Luther  zu  Wittenberg  sich
eine  Rede  erbat,  die  ihm  dieser  auch  ausarbeitete.  Sie  enthielt ­
  eine  Aufforderung  an  das  Concil,  dafür  zu  sorgen,  dass
dem  Volke  die  rechte  Predigt  zu  Theil  und  den  Lüsten  und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.