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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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520  Höfler.
Gewändern  der  Cardinäle  wieder  bekleidet  und  von  dem
Papste  und  den  Cardinälen  mit  dem  Friedenskusse  begrüsst,
in  der  Sitzung-  (am  17.  Juni)  ihre  Abschwörung  des  Schisma
feierlich  verlesen. 1  Es  war  kein  geringer  Triumph,  dass  die
Milde  Leos,  welche  beiden  Männern  die  Rückkehr  ermöglichte,
jetzt  das  Schisma  stillte,  welches  seinen  Vorgänger  noch  auf
dem  Todtenhette  ängstigte.  Dieser  Tag,  an  welchem  Leo
seinen  Feinden  vergab,  und  die  Einheit  der  Kirche  herstellte,
war  vielleicht  der  schönste  seines  Lebens  und  nimmt  in  den
Erwägungen  über  die  Geschichte  jener  Zeit  eine  hervorragende
Stellung  ein.  Das  romanische  Schisma  wurde  beseitigt,
die  grösste  Gefahr  glücklich  überwunden.  Es  war  begreiflich,
dass  vom  Standpunkte  einer  so  glücklichen  That  die  nachfolgenden ­
  Bewegungen  in  Deutschland  anders  aufgefasst
wurden,  als  wir  dies  zu  thun  uns  berechtigt  fühlen.
Noch  war  es  nothwendig,  die  Angelegenheit  der  pragmatischen ­
  Sanction  zu  Ende  zu  bringen. 2  Auch  hier  schlug
Leo  X.  einen  milderen  Weg  ein.  Indem  er  der  heissen  Zeit
wegen  das  Concil  in  den  December  vertagte,  erklärte  er,  sodann ­
  die  königlichen  Gesandten  (in  Folge  der  früher  erlassenen ­
  Citation)  empfangen  zu  wollen.  Als  am  19.  December
die  achte  Sitzung  gehalten  wurde,  waren  die  Botschafter  des
gewählten  Kaisers,  des  K.  Ludwig  XII.  von  Frankreich,  des
K.  Ferdinand  von  Aragonien,  des  Markgrafen  von  Brandenburg, ­
  des  Dogen  von  Venedig  gegenwärtig. 3  Jetzt  sagten  sich
1  Die  Cedula  mit  den  Unterschriften  der  beiden  Cardinäle  ging;  jedoch
verloren,  1.  c.  XCI.  Die  Cardinäle  erhielten  nur  ihre  Titel,  nicht  ihre
Beneficien,  und  auch  diese  nicht  ohne  Protest  zweier  anderer  Cardinäle.
Lettres  de  Louis  XII.,  T.  4,  p.  172.  Schon  1515  wurde  Carvajal  von
Leo  X.  in  der  Reuchlin'schen  Angelegenheit  zu  einer  Mission  nach
Deutschland  verwendet.  Horawitz,  Zur  Biographie  und  Correspondenz
Job.  Reuchlin’s,  n.  IV,  VI.  In  dem  Briefe  Michael  Hummelberg’s  aus
Rom,  24.  Jänner  1516,  heisst  es  bereits  pro  pontifex.  Verg-1.  auch  Qurita
X,  c.  74.
2  Ein  französischer  Gesandter  wurde  von  Papst  Leo  gar  nicht  angenommen.
Letzterer  verlangte  zuerst  volles  Eingeständniss  des  Unrechtmässigen
der  Berufung  des  Pisaner  Concils  (Jean  le  Veau  an  Margaretha  von
Oesterreich,  24.  August  1513),  wenn  der  Gesandte  zugelassen  werden
wolle.
3  Jacques  de  Bannissis  an  Margaretha  von  Oesterreich,  17.  Jänner  1514.
Lettres  de  Louis  XII.  T.  4,  p.  236.
            
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