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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hofier.

Welt  noch  geeinigt  finden  werde?  Die  einsichtsvollsten  Personen ­
  urtheilten,  es  sei  nicht  möglich,  den  Bogen  höher  zu
spannen,  als  es  Julius  gethan;  er  müsse  nach  einem  Naturgesetze ­
  brechen.  Macht,  Politik,  Gewalt,  äusseres  Ansehen
und  der  willkürliche  Wechsel  von  Bündnissen  und  Verträgen
könnten  nicht  weiter  getrieben  werden;  ein  Rückschlag  sei
unairsbleiblich. 1
Die  unermessliche  Verantwortung  der  obersten  Leitung
kirchlicher  Angelegenheiten  und  damit  der  gesammten  Christenheit ­
  war  jetzt  einem  Manne  anvertraut  worden,  der  mit  tausend
Fäden  nicht  sowohl  an  Italien  als  an  Florenz  angeknüpft  war,
welches  in  dem  Augenblicke  sich  der  Mediceer  zu  entledigen
suchte,  als  der  Cardinal  Giovanni  zu  seiner  Papstwahl  nach
Rom  abging.  Leo  X.  liebte  Ruhe  und  Genuss,  war  allen  edlen
Bestrebungen  seiner  Zeit  zugethan  und  hatte  das  Glück,  in
einer  Zeit  zu  leben,  in  welcher  auf  allen  Gebieten  der  Kunst
und  des  Wissens  Italien  die  hervorragendsten  Männer  aufzuweisen ­
  hatte.  Die  grossartigen  Pläne  seines  Vorgängers,  der
Constantinopel  und  Jerusalem  zu  erobern  gedachte,  waren  ihm
fremd;  er  liebte  Musik  und  Jagd  und  seine  grösste  Sorge  war
wohl,  Florenz  bei  seinem  Geschlechte  zu  erhalten  und,  als  daun
dem  Könige  Ludwig  XII.,  der  Gemahl  seiner  Tochter  Claude,
Franz  von  Angouleme  nachfolgte,  von  diesem  nicht,  wie  er
allmälig  besorgen  musste,  zum  französischen  Hofcaplan  erniedrigt ­
  zu  werden.  Man  musste  bei  einer  auch  nur  geringen
Einsicht  in  die  Verhältnisse  sich  sagen,  dass  doch  endlich
einmal  Italien  aufhören  müsse,  das  fast  ausschliessliche  Ziel
der  Thätigkeit  und  der  Einwirkung  der  Päpste  zu  sein;  dass
die  Art  und  Weise,  wie  die  Franzosen,  Spanier  und  Italiener
die  gemeinsamen  Angelegenheiten  behandelten,  d.  h.  Alles  nur
zu  ihrem  Vortheile  ausbeuteten,  endlich  denn  doch  eine  Grenze
haben  müsse,  und  wenn  der  Papst  den  vaticanischen  Palast

1  In  eo  rerum  fastig’io  a  Julio  collocata  res  sacra  est,  usque  adeo  aucta,
eo  magnitudinis  erexit,  ut  non  augenda  ulterius  sed  brevi  potius  retro
lapsura  esse  videretur.  Nirnia  namque  incrementa  suspecta  sunt  semper,
quae  fructuum  more,  ubi  satis  inereverint,  et  maturescunt  et  cadunt.
Aegid.  Viterb.  vita  Julii  II.  —  In  Deutschland  wollte  man  wissen,  Julius
habe  1,200.000  Ducaten  in  seinem  Schatze  zurückgelassen.  Kil.  Leib
Annales  ad  1513.
            
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