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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hofier.

Als  Leo  X.  gewählt  worden  war,  legten  ihm  alle  Cärdinäle
  die  Capiteln  zur  Unterschrift  vor.  1  Erst  als  er  sie  unterschrieben, ­
  zogen  sie  ihm  die  Pontificalgewänder  an  und  erfolgten ­
  die  üblichen  Ceremonien.  Es  war  keine  Simonie  mit
untergelaufen,  Einzelnen  war  nichts  versprochen  worden,  aber
noch  niemals  war  das  Pontificat  um  einen  höheren  Preis,  den  die
ganze  Christenheit  zu  bezahlen  hatte,  erworben  worden.
Ob  die  völlige  Umwandlung  der  monarchischen  Regierung
der  Kirche  in  eine  Oligarchie,  in  eine  geistliche  Plutokratie
auch  Anderen  nütze  als  den  Cardinälen  und  vor  Allem  den
zwanzig  Aelteren,  ob  sie  ohne  das  Verderbniss  des  Ganzen
durchgeführt  werden  könne  oder  nicht,  ob  nicht  unter  derartigen ­
  Verhältnissen  die  Bedingung  des  Besserwerdens  nur  in
einem  gewaltsamen  Bruche  mit  diesem  Systeme  und  Allem,
was  daran  hing,  beruhte,  war  eine  Frage,  welche  die  nächste
Zeit  zu  lösen  hatte.  Wo  der  Sitz  des  Uebels  lag,  war  seit
dem  11.  März  1513  nur  insofern  mehr  ein  Geheiinniss,  als  die
Wahlcap  itulation  Papst  Leo’s  ein  Geheimniss  blieb.  Die
Rechnung  der  Cardinäle  war  jedoch  von  ihrem  Standpunkte
aus  nicht  übel  gestellt  und  war  die  Kirche  ein  Kaufhaus  geworden, ­
  so  passte  jetzt  Niemand  besser  an  ihre  Spitze  als  der
Sohn  des  fürstlichen  Kaufherrn  von  Florenz.  Man  begreift,
als  dieser  in  Allem  zustimmte,  warum  das  Conclave  so  kurze
Zeit  dauerte.  Man  konnte  sich  auf  die  Bulle  Papst  Julius  II.
berufen,  während  die  Wählenden  alle  möglichen  Vortheile  und
Rechte  erlangten,  der  Gewählte  aber  in  eine  unhaltbare  Stellung
versetzt  wurde.  Es  charakterisirt  den  Mediceer,  auf  solcher
Basis  das  Pontificat  anzunehmen,  die  Cardinäle,  es  auf  dieser
Grundlage  zu  vergeben.  Leo  X.  war  nun  selbst  in  Mitte  jener
Kloake  (sentina  di  tutti  i  mali)  gerathen, 2  als  welche  sein
Vater  Lorenzo  dem  Messer  Giovanni,  dem  jugendlichen  Cardinal,
1492  Rom  bezeichnete.  Er  mochte  sehen,  wie  er  sich,  ohne
beschmutzt  zu  werden,  herauszuwinden  im  Stande  sei.  Hielt
-er  die  Capitulation  nicht,  und  er  konnte  und  durfte  es  nicht,
da  höhere  Pflichten  es  ihm  nicht  gestatteten,  so  ward  er  eidbrüchig; ­
  hielt  er  sie,  so  zerstörte  er  den  Inbegriff  der  päpst-1

  Conclave  Leonis  X.  MS.
2  Gino  Capponi,  Storia  della  republica  di  Firenze  II.  Beil.  VI.
            
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