Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

508

Hö  fler.

an  seine  Person  zu  knüpfen.  Die  spanischen  und  jetzt  selbst  die
französischen  Cardinäle  waren  nach  Qurita  entschlossen,  keinen
Franzosen  als  Nachfolger  Papst  Julius’  II.  zu  wählen.  K.  Ferdinand ­
  schien  das  Project  Maximilians  zu  begünstigen  und  es
lag  auch  insoferne  in  seinem  Interesse,  als  durch  eine  Wahl
Maximilians  der  Ausschluss  der  Franzosen  vom  Papstthume
sicher  stattfand.  Aber  auch  K.  Ludwig  war  oder  schien  doch
dafür  zu  sein  (Anfang  October  1511),  weil  er  dadurch  den
Kaiser  von  dem  Beitritte  zur  heiligsten  Liga  des  Papstes,  des
Königs  von  Aragon  und  der  Republik  Venedig  abzuziehen
hoffte.  —  Die  Sache  war  so  weit  eingefädelt,  dass  das  Concil
von  Pisa  die  Absetzung  des  Papstes  aussprechen  und  wenn
Maximilian  wollte,  zur  Wahl  eines  neuen  Papstes  schreiten
sollte.  Wolle  er  selbst  gewählt  werden,  so  solle  dies  geschehen.
Sanseverino  war  es,  welcher  die  Unterhandlungen  führte,  —
Maximilian  sollte  König  der  Römer  bleiben,  den  kaiserlichen
Titel  führen,  Papst  werden  und  so  eine  Einigung  von  Papstthum ­
  und  Kaiserthum  erfolgen,  die  zwar  aller  Geschichte
widersprach,  aber,  was  die  landesfürstliche  Macht  betraf,  in
nächster  Zeit  zum  Unglück  der  Welt  fast  allgemein  wurde.
Ob  das  Concil  zu  Pisa,  welches  bereits  den  Boden  unter  sich
glühen  fühlte,  wirklich  so  weit  gegangen  wäre,  bleibt  immer
noch  die  Frage.  In  Mailand  aber  war  es  von  dem  König  von
Frankreich  noch  abhängiger  und  da  begreift  es  sich,  dass
Ende  1511  K.  Ludwig  dem  Kaiser  nochmal  anbot,  eine  Papstwahl ­
  nach  seinem  Belieben  treffen  zu  wollen.  Wenn  er  selbst
gewählt  zu  werden  wünsche,  würde  auch  dieses  sich  bewerkstelligen ­
  lassen  und  die  Theilung  Italiens,  wobei  natürlich
K.  Ludwig  sich  nicht  vergass,  eingeleitet  werden.  Der  Kaiser
konnte  in  einer  so  weittragenden  Sache  denn  doch  nicht  ohne
Zustimmung  des  deutschen  Clerus  den  entscheidenden  Schritt
wagen.  Erst  1507  hatte  Maximilian  auf  dem  Reichstage  zu
Costnitz  erklärt,  1  dass  der  König  von  Frankreich  von  des
,Babstthums  und  der  kaiserlichen  Ehren  wegen  der  teutschen
Nation  natürlicher  Feind  ist  und  ewiglich  sein  wird 0  —  jetzt
aus  den  Händen  der  Franzosen  oder  ihres  Anhanges  das  Papstthum ­
  anzunehmen,  widerstritt  dem  Gedanken,  durch  recht-*

  Hofier,  polit.  Reformbewegimg.  Urkunde  S.  74.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.