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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hofier.

kirchliche  Partei  unter  dem  Schutze  des  Coucils  gebildet  hätte,
trat,  was  für  die  italienischen  Zustände  charakteristisch  war,
nur  eine  französische  hervor.  Das  Nationalitätsprincip
war  stärker  als  das  kirchliche.  Wem  es  in  dieser  Beziehung
Ernst  war,  der  gehorchte  dem  päpstlichen  Gebot  ,entweder  aus
Ehrfurcht  gegen  Gott  oder  aus  Parteidisciplin‘,  die  Anhänger
des  Concils  aber  1  machten  ihr  Schicksal  von  dem  Glücke  der
französischen  Waffen  abhängig.  Der  italienische  Papst  hatte
Italien  für  sich,  so  weit  es  nicht  französisch  war  und  der  ganze
Streit,  welcher  die  gesamte  christliche  Welt  bewegen  sollte,  bewegte ­
  sich  bald  nur  innerhalb  des  Rahmens  zweier  romanischer
Nationalitäten,  Italiener  und  Franzosen.  Gerade  deshalb  ist
die  Sache  aber  von  so  grosser  Wichtigkeit,  da  der  Kirchenstreit ­
  der  Wälschen  voranging,  der  der  Deutschen
nachfolgte.  Am  5.  November  1511  wurde  das  Pisaner  Concil
durch  den  Cardinal  Carvajal  feierlich  eröffnet. 2  Es  begann
mit  einem  vollendeten  inneren  Widerspruche,  da  es  den
heiligsten  Papst  Julius  anerkannte,  aber  dessen  Decrete  und
Acte  gegen  die  Cardinäle  für  nichtig  erklärte.  Am  7.  November ­
  erfolgte  die  zweite  Sitzung,  welche  die  Geschäftsordnung
regelte.  Dann  wurde  aus  dringenden  Ursachen  die  dritte  Sitzung
statt  am  14.  November  am  12.  gehalten  und  bestimmt,  dass
,das  UniversalconciP  nicht  aufgelöst  werden  könne,  bis  nicht
die  allgemeine  Kirche  im  Glauben  wie  in  den  Sitten,  im
Haupte  wie  in  den  Gliedern  reformirt,  die  Häresien  und
Schismen  getilgt,  die  Kriege  unter  den  Christen  beseitigt  seien.
Doch  könne  das  Concil,  dessen  Macht  von  Christus  unmittelbar ­
  stamme,  nach  einem  sicheren  Orte,  der  Rom  jetzt  nicht
sei,  verpflanzt  werden. 3  Ferner  dass  auch  der  Papst  den  Decreten
  eines  allgemeinen  Concils  zu  gehorchen  habe;  endlich
dass  das  Concil  von  Pisa  nach  Mailand  verlegt  werden  solle.
Bereits  am  14.  November  erfolgte  der  Abzug  der  versammelten ­
  Väter  von  Pisa  nach  Mailand.  Der  Florentiner  Cerretani

1  Marrani  e  ruffiani  nennt  sie  Cerretani.
2  Tangebatur  (in  der  Eröffnungsrede)  etiam  proprietas  concilii,  quae  est
veritas  infallibilis  sententiarum  in  fide  et  necessariis  humanae  saluti.
Acta  concilii  Pis.  p.  86.
3  Communi  patrum  consensu  praesertim  si  cum  Sanctissimo  D.  Papa
conveniart.  1.  c.  p.  101.
            
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