Die roman. Welt und ihr Verhältnis zu den Eeformideen des Mittelalters. 499
von Ferrara die Gewalt mit Gewalt zurücktreiben dürfe? Die
Antwort war: es sei erlaubt. Die sechste, siebente und achte
gleichfalls bejahten Fragen bezogen sich wieder auf Ferrara
und inwieferne sich der Herzog einem ungünstigen Schiedsgerichte
zu unterwerfen habe.
Nachdem der König in Allem seinen Willen durchgesetzt,
wurde beschlossen, eine Gesandtschaft zu Papst Julius zu
senden und ihn aufzufordern, sich mit den Fürsten zu versöhnen.
Verweigere er es, so solle nach den Decreten des
Constanzen Concils ein allgemeines Coueil verlangt werden. 1
Es genügt, diese Betonung des französischen Interesses
und der französischen Politik hervorzuheben, um die Frage
zu beantworten, ob auf diesem Wege den allgemeinen Uebelständen
begegnet werden konnte? Der König von Aragon und
Gobernador von Castilien mochte ruhig Zusehen, wie die französischen
Waffen stumpf wurden, er hatte die seinigen noch
gar nicht benützt. Man fühlte in Frankreich, dass ein französisches
Concil nicht ausreiche, dieses nur einen schismatischen
Charakter annehme. Man musste es nach Italien
verlegen, auch Nichtitaliener, womöglich auch Spanier zur
Betheiligung vermögen. Wenn nicht, so hatte man nur Julius II.
in die Hände gearbeitet.
Der Cardinalbischof von S. Sabina und Preneste, der
Spanier Don Bernardino Carvajal und der Franzose Wilhelm
Boissonete, der Cardinalpriester von Narbonne, und Bruder
Cusentinus von St. Nereus und Archilleus 2 waren es, die sich
am 16. Mai 1511 zu Mailand versammelt hatten. Maximilian
als Kaiser und Schirmherr der Kirche erklärte, dass seine
Procuratoren bei dem Papste und den Cardinälen auf Abhaltung
eines Concils dringen sollten, 3 das er übrigens (nach Cerretani)
in Verona oder Trient 4 zu versammeln gedachte. Schärfer
1 Belcarius 349.
2 Das Ausschreiben vom 19. Mai (Goldast, Politica p. 1196) nennt die
Cardinäle Bernard von S. Croce, Wilhelm von Narbonne, Philipp von
Mans, Franz von Cusentino, Hadrian von Corneto, Rene von Bayeux,
Karl von St. Vitus, Friedrich von St. Severin, Ippolito von Este.
3 Bereits 16. Jänner 1511.
4 Auch (jurita setzt auseinander, wie unangenehm Maximilian die Wahl von
Pisa war, IX, c. 31. Er habe sich für Constanz ausgesprochen. Im
XXXV. Capitel erwähnt er des Projeetes von Verona und Trient.
Sitzungsber. d. phil.-hist. CI. XCI. Bd. II. Hft. 33