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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hö  flef.

Niemand  konnte  läugnen,  dass  eine  Reformation  der
Kirche  dringendes  Bedürfnis  sei,  und  wenn  der  Papst  und  die
Cardinäle  sie  versäumten,  es  die  grossen  katholischen  Fürsten,
den  Kaiser,  den  mächtigen  König  von  Aragon,  der  eben  jetzt
seine  Herrschaft  über  Bugia,  Algier  und  Tunis  erweiterte,  den
König  von  Frankreich,  der  Mailand  besass,  treffe,  für  die
Reformen  einzutreten.  Allein  ebenso  sicher  war,  dass  eine
Reform,  die  mit  Absetzung  des  Papstes  beginne,  und  darauf
zielte  bisher  der  französische  König  hin,  um  einen  ihm  ganz
ergebenen  Cardinal  zu  erheben,  das  Uebel  nur  vermehre  nicht
vermindere.  König  Don  Fernando,  welcher  eben  die  Investitur ­
  für  das  Königreich  Neapel  (ohne  Lehenszins)  empfangen,
selbst  wie  von  einer  hohen  Warte  aus  die  Angelegenheiten
Europas  beobachtete  und  mit  grosser  Klugheit  leitete,  war  jedoch
gar  nicht  gewillt,  sich  zum  Träger  der  französischen  Politik  zu
machen. 1  Andererseits  schien  K.  Ludwig,  da  auch  in  Deutschland ­
  sich  die  Stimmung  einem  Concil  geneigt  zeigte,  ein  Theil
der  Cardinäle  dem  Könige  zustimmte,  der  richtige  Moment
gekommen  zu  sein,  wider  Julius  aufzutreten.  Er  schrieb  erst
nach  Orleans,  dann  für  den  15.  September  nach  Tours  eine
Versammlung  aus,  wobei  den  versammelten  französischen  Prälaten ­
  acht  Fragen  vorgelegt  wurden;  ob  es  dem  Papste  erlaubt ­
  sei,  einen  christlichen  Fürsten  mit  Krieg  zu  überziehen? 3
ob  es  dem  angegriffenen  Fürsten  erlaubt  sei,  in  diesem  Falle
die  päpstlichen  Besitzungen  anzugreifen?  ob,  wenn  der  Papst
von  unversöhnlichem  Hasse  erfüllt,  den  weltlichen  Fürsten
seines  Reiches  zu  berauben  sucht,  letzterem  gestattet  ist,  ihm
den  Gehorsam  (obsequium)  aufzukünden?  Nachdem  diese
Fragen  im  Sinne  des  Königs  beantwortet  worden,  erfolgte  die
weitere,  was  die  französischen  Bischöfe  im  bezeichneten  Falle
zu  thun  gedächten?  Die  Antwort  war:  bei  den  alten  Decreten
der  Päpste  und  namentlich  des  Baseler  Concils  zu  verharren.
Ob  der  König  zu  Gunsten  seines  Bundesgenossen  des  Herzogs

1  Tuvö  el  rey  este  negocio  desde  el  principio  por  tan  vano  que  no  quiso
dar  lugar  a  uingunas  platicas  ni  medios  que  se  movieron  por  parte  del
Cardenal  de  Santa  Cruz,  (jurita,  Los  oinco  libros  posterieros.  IX,  c.  23.
2  XVII  cal.  Oet.  Belcarius  comment.  p.  348  (15t0).
3  Ubi  neque  de  religione  neque  de  fundis(?)  ejus  Pontificatus  eontroversia  est.
            
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