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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

£)ie  roman.  Welt  und  ihr  Verhältnis  zu  den  Reformideen  des  Mittelalters.  495

eine  merkwürdige  Entscheidung  zu  bringen.  Papst  Julius
machte  selbst  den  römischen  König  mit  dem  Plane  bekannt,
den  Iv.  Ludwig  verfolge,  für  sich  die  Kaiserkrone,  für  den
Cardinal  von  Amboise  das  Papstthum  zu  erlangen.  Es  mochten
jetzt  dem  Papst  schwere  Bedenken  kommen,  ob  er  recht  gehandelt, ­
  als  er  einst  mit  den  Cardinälen  Ascanio,  Colonna  und
Savelli  in  K.  Karl  VIII.  von  Frankreich  gedrungen,  den  Zug
nach  Italien  zu  unternehmen  um  Alexander  VI.  durch  einen
anderen  Papst  zu  ersetzen.  Jetzt  verbanden  sich  K.  Ludwig
von  Frankreich  und  K.  Ferdinand  von  Aragonien  zu  Savona
zur  Reform  der  Kirche,  zur  Einberufung  eines  allgemeinen
Concils  und  so  weit  K.  Ludwig  durchzudringen  vermochte,
zur  Absetzung  Papst  Julius  II.  und  zur  Erhebung  des  französischen ­
  Cardinais  von  Amboise.  War  diese  durchgesetzt,  so
war  nach  der  Meinung  der  Franzosen  die  Reform  der  Kirche
wohl  ipso  facto  erfolgt,  freilich  in  dem  Sinne,  welchen  die
Geschichte  nach  1378  sattsam  bewiesen  hatte.  Da  raffte  sich
endlich  auch  das  deutsche  Reich  auf.  Der  Reichstag  zu  Costnitz,
beinahe  hundert  Jahre  nach  dem  ökumenischen  Concil  daselbst,
bewilligte  dem  römischen  Könige  ein  Heer  zur  Vertheidigung
des  Kaiserthums  und  des  Papstthums.  Ein  eigenes  Manifest
belehrte  die  christliche  Welt,  dass  nur  die  ,Vollkommenheit
des  Card  in  alscollegiunV  verhindert  habe,  dass  nicht  ein
Franzose  Papst  werde,  der  dann  den  französischen  König  zum
Kaiser  erheben,  das  Kaiserthum  der  deutschen  Nation  entziehen
würde.  Maximilian  bot  Alles  auf,  wenigstens  das  letztere  zu
retten.
Die  Entwicklung  der  nun  folgenden  Begebenheiten  entsprach ­
  in  keiner  Weise  dem  im  Jahre  1507  erfolgten  Anlaufe.
Maximilian  näherte  sich  dem  Könige  von  Frankreich  und  statt
eines  französisch-deutschen  Krieges  entsteht  1508  die  Liga
von  Cambray,  der  Bund  Maximilians  und  Ludwigs  gegen  das
übermüthige  Venedig,  dem  die  Besitzungen  auf  dem  festen
Lande  Italiens,  Dalmatien  und  das  Königreich  Cypern  abgenommen ­
  werden  sollen.  Damals  erlangte  der  römische  König
ohne  nach  Rom  gezogen  zu  sein  (in  Trient)  den  Titel  eines
erwählten  römischen  Kaisers,  wodurch  die  Hoffnung  K.  Ludwigs ­
  auf  das  Kaiserthum  vereitelt  wurde.  Die  Venetianer,  bei
Aquadello  am  14.  Mai  1509  geschlagen,  rettete  aber  der  Papst
            
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