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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

Die  ronnin.  Welt  und  ihr  Verhältnis  7.u  den  Reformideen  des  Mittelalters.  493

an  die  Majorität  der  Cardinäle  gebunden  war,  endlich  den
zwanzig'  älteren  Cardinälen  Vorrechte  über  die  neu  zu  ernennenden ­
  eingeräumt  wurden, 1  so  war  der  Absolutismus  der
Päpste  gesetzlich  beschränkt  und  konnte  man,  da  diese
Quelle  des  Unheils  verstopft  schien,  vom  1.  November  1503
an  einer  ruhigen  und  gesetzlichen  Entwicklung  der  Dinge
entgegensehen.
Der  erste  Gedanke  des  neuen  Papstes  war,  Frieden  im
eigenen  Hause  zu  schaffen,  und  den  Kirchenstaat  wieder  zu
erlangen.  Als  er  aber  die  Venet.ianer  aufforderte,  denselben  zu
räumen,  verweigerten  sie  den  Gehorsam.  Julius  ignorirte  diesen
Trotz.  Er  suchte  die  Franzosen  mit  den  Spaniern  zu  versöhnen
und  dadurch  Italien  den  Frieden  zu  geben,  dessen  es  so  sehr
bedurfte.  Schon  damals  wurde  der  Papst  von  Florenz  aus  aufgefordert, ­
  Italien  vor  dem  Uebermuthe  der  Venetianer  zu  bewahren. ­
 2  Allein  so  sehr  eine  Demüthigung  Venedigs  im  Interesse ­
  der  übrigen  italienischen  Staaten  lag,  so  trat  doch  schon
seit  dem  Jahre  1505  der  Plan,  Italien  von  den  Franzosen  zu
befreien,  als  das  leitende  Moment  in  den  Vordergrund,  während
Julius  vorerst  mit  der  Frische  eines  Jünglings,  der  Energie  eines
Mannes  die  Wiedereroberung  des  Kirchenstaates  sich  zum  Ziele
setzte,  erst  das  wichtige  Perugia,  dann  1506  Bologna  eroberte,  fortwährend ­
  an  Wiedererlangung  der  Romagna  arbeitete,  darüber
aber  die  allgemeinen  Interessen  der  Kirche  und  die  Aufgabe,
welche  er  sich  selbst  gestellt,  immer  mehr  aus  den  Augen
verlor.  Dass  ohne  das  gewaltsame  Auftreten  Giulio’s  die  Venetianer ­
  Herren  von  Italien  geworden  wären,  wird  von  den
florentinischen  Geschichtsschreibern  schon  1506  anerkannt.
Ihm  selbst  aber  wurde  nach  derselben  Quelle  erst  durch  das
Geständniss  des  ,in  Bologna  gefangenen  französischen  Condottiere
  klar,  dass  er  von  dem  französischen  Könige 3  das

1  Urkunde  bei  Mondiere,  p.  14.  Diese  so  wichtigen  Thatsachen  wurden  im
,Janus‘  mit  Stillschweigen  übergangen.
2  A  defender  Italia  dalle  mani  della  superba  Veneta.  Storia  del  Cerretani.
I  Venetiani,  sagt  dieser  an  einer  anderen  Stelle,  erano  venuti  in  tanta
insolenza  che  non  stimavano  ne  Dio  ne  gli  uomini  e  si  vedde  certissimo
gli  loro  portamenti  e  fasti  esser  venuti  a  uoja  fino  al  cielo.
3  Aver  voluto  metter  le  mani  addosso  al  Papa  Giulio  per  comfnissione  del
cristianissimo  (Ludwig  XII.)  1.  c.
            
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