Die roraau. Welt und ihr Verhältnis zu den Reformideen des Mittelalters. 4:91
Gedanken an eine Thronveränderung als unausweichlicher Nothwendigkeit
zu beschäftigen und Vorkehrungen zu treffen. Am
Morgen des 18. empfing Alexander die hl. Communion, am
Abend desselben Tages hatte der Papst geendet, der sich und
seine Welt in fortwährender unseliger Täuschung erhalten,
immerwährend Mittel auf Mittel ersonnen sich aus augenblicklicher
Verlegenheit zu befreien, den Ruf eines ungewöhnlichen
politischen Rechners in das Grab nahm, aber auch den Makel,
die Reformen der Kirche nie ernstlich gemeint, letztere aber
so tief in das Verderben gestürzt zu haben, als es nur immer
möglich war, und sich nicht minder.
Der Herzog, sein kSohn, schön, gewandt, geistreich und
ebenso ruchlos, Hess sich, noch am Fieber leidend, in das
Castell tragen, wo seine Anhänger sich sammelten, konnte aber
weder das Conclave Pius’ III. (Piccolomini), noch als dieser
nach sechsundzwanzig Tagen starb, dasjenige beherrschen, in
welchem der Todfeind des Hauses Borgia Giuliano della Rovere,
Julius II. bereits am ersten Tage gewählt wurde, Alexander
hatte den päpstlichen Palast in ein Lusthaus umgewandelt,
in welchem die Comödien des Plautus dargestellt und
die obscönsten Lustbarkeiten gehalten wurden. Der Maskenscherz
erlaubte sich die unzüchtigsten Darstellungen, welche
niederzuschreiben ein besserer Sinn Anstand nimmt. Niemals
gab es in Rom eine grössere Zügellosigkeit des Lebens, niemals
eine geringere Freiheit, niemals mehr Späher und strengere
Strafe für den Angeklagten, der seiner Zunge nicht
Gewalt gethan. Das schlimme Treiben schien unheilbar zu
werden, als Alexander, auch hierin ohne Maass dreiundvierzig
Cardinäle ernannte, mit welchen er auch über sein Leben
hinaus die Grösse seiner Familie zu sichern hoffte, unter ihnen
nicht weniger als achtzehn Spanier und unter diesen den Gesandten
des Königs von Aragon Bernardino Carvajal. Während
er aber dadurch die Zukunft der Kirche an die Spanier zu
knüpfen schien, beschützte er gegen K. Ferdinand V. die vor
der Inquisition nach Rom geflüchteten Judenchristen, die conversos,
auch Maranos genannt, 1 welche in Betreff der Echtheit
ihrer Bekehrung im Vaterlande verdächtig geworden, in Rom
1 Panvinio, Vita di Alessandro VI. p. 604.