Die roman. Welt und ilir Verhältnis zu den Ret'ormideen des Mittelalters. 489
Juana und Isabella, welchen die Schlacht bei Toro am 1. März
1476 zu Gunsten der katholischen Königin entschied, warf so
seine düsteren Schatten noch spät auf die Geschicke der allgemeinen
Kirche. Das Andrängen auf eine Reformation von
Seite der spanischen Könige hörte sehr bald. auf. 1 Sie
beseitigten im eigenen Lande mit aller Gewalt und mit Hülfe
der Inquisition jeden kirchlichen Gegensatz, Mauren und Juden,
und richteten so weit sie konnten einen politisch kirchlichen
Absolutismus, das Vorspiel des heutzutage wieder so sehr gepriesenen
Cäsaropapismus auf. Eines aber wurde bei diesem
Anlasse denn doch durchgesetzt, die Reform der spanischen
Klöster, namentlich des Franciskanerordens und die Wiederaufrichtuna-
des bischöflichen Ansehens über den Weltclerus
c?
durch den Erzbischof-Primas von Toledo, der hiezu die päpstliche
Vollmacht im Jahre 1497 erlangte. Die Reform des Benedictinerordens
folgte nach und der spanische Clerus, vor Kurzem
noch zügellos, lernte allmälig die ihm zu Theil gewordene
hohe Aufgabe erkennen und erfüllen. Schon früher hatte bei
Papst Alexander die Begierde das Haus Borgia gross zu
machen, jede andere Rücksicht verdrängt, so dass er in diesem
maasslosen Streben dem Urtheile Macchiavelli’s verfiel, er habe
nie etwas Anderes gethan, als die Menschen betrogen. Auch
K. Fernando von Neapel sprach sich in ähnlicher Weise aus.
Um den verwegenen Plan seines Sohnes Don Cesare zu fördern,
begünstigte Alexander VI. den zweiten Einfall K. Ludwigs
XII. in Italien, diesmal in Verbindung mit den Venetianern,
die dabei Ostitalien zu gewinnen suchten. Schnell
suchte sich dann Cesare von den Franzosen unabhängig zu
machen, die Orsini und Colonna — die übermächtigen Cardinalfactionen
— um ihren Anhang zu bringen. Er vertilgte
die kleinen Tyrannen der Ro magna und zahlte ihnen dadurch
ihren gebührenden Lohn. Er gewann Perugia und Piombino.
Die ehemalige kaiserliche Reichsstadt Pisa stellte sich unter
seinen Schutz und nun strebte er das feste Gaeta, das einst
luxemburgische Lucca, die Perle Toscanas, Florenz, und Siena
zu gewinnen. Der Plan war, ehe die siegreichen Franzosen
1 Qurita IV, c. 21: porque cessasse del todo la instancia che hasta entonies
(1500) se avia hecho de pidir lo la reformaeion. f. 191b.