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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 91. Band, (Jahrgang 1878)

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Hofier.

Kurfürsten,  die  zahlreichen  Reichserzbischöfe,  Bischöfe,  Achte
und  Aebtissinnen.  Der  italienische  Bischof  galt  dem  deutschen
gegenüber  als  arm  und  war  der  Italiener  ungehalten,  wenn
die  ,Kirche'  Krieg  führte,  so  glich  sich  das  wieder  aus,  da
die  Päpste  Italiener  waren  und  unter  ihren  Auspicien  Laienfürsten, ­
  ihre  Nipoten,  Macht  und  fürstliches  Ansehen  erlangten.
Der  Hass  gegen  die  Geistlichkeit  und  ihre  Herrschaft,  der
Neid  gegen  ihre  Reichthümer  und  Besitzungen  konnten  in
Italien  nicht  so  allgemein,  nicht  so  gefähiiich  werden,  wie  in
Deutschland,  und  concentrirte  sich  auch  der  Hass  gegen  Rom,
so  brachte  die  kurze  Dauer  päpstlicher  Regierungen  leicht
einen  heilsamen  Wechsel  in  den  Gemüthern  hervor,  die  Gewinnsucht ­
  ,  Furcht  und  Hoffnung  und  ähnliche  Regungen
wieder  an  Rom  knüpften.  Da  ferner  Rom  nicht  blos  der
Mittelpunkt  der  geistigen  Bewegung,  der  künstlerischen  wie
der  wissenschaftlichen  blieb,  auch  unter  Alexander  VI.  alle
politischen  Fäden  dahin  zurückliefen  und  bei  dem  ungeheuren
Umsturz  der  Dinge,  welchen  der  Einbruch  K.  Karls  VIII.  in
Italien  1494  hervorrief,  Rom  nicht  blos  (neben  Venedig)  die  einzige ­
  grössere  Stadt  Italiens  war,  welche  sich  der  Fremdherrschaft
entledigte,  konnte  ja  von  Rom  aus  fortwährend  an  dem  Sturze
der  letzteren,  an  der  Befreiung  Italiens  gearbeitet  werden.  Da
endlich  der  lange  Krieg  seit  1494  alle  Kräfte  Italiens  couvulsivisch
  anspannte,  im  Ganzen  aber  die  grösste  Freiheit  der
Bewegung,  eine  Leichtlebigkeit  fast  ohne  Gleichen  vorhanden
war,  so  ist  darin  auch  vor  Allem  der  Grund  zu  suchen,  warum
Italien  sich  von  so  heftigen  religiösen  Erschütterungen,  von  einer
religiösen  Umwälzung  frei  erhielt,  wie  sie  Deutschland ­
  im  Anfänge  des  sechszehnten  Jahrhunderts  erlitt,  dafür
aber  die  grösste  politische  Umwälzung  erfuhr  und  zuletzt  für
Jahrhunderte  der  Fremdherrschaft  verfiel.
Gerade  der  Einfall  K.  Karls  VIII.  in  Italien  war  es,
welcher  Papst  Alexander  VI.  die  erwünschte  Gelegenheit  verlieh, ­
  jene  Schwierigkeiten  wegzuräumen,  die  der  Erhebung
erst  seines  Sohnes  Don  Zufrido,  Herzogs  von  Gandia,  dann
des  Don  Cesare  entgegenstanden,  eines  ebenso  durch  Schönheit ­
  als  Geist,  Thatkraft  und  Verworfenheit  hervorragenden
Mannes.  Da  schien  ein  entsetzliches  Ereigniss  im  Schoosse
der  Familie  Borgia  selbst  eine  bessere  Wendung  der  Dinge
            
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